23. April 2011

Der Kantinenpächter und sein Coup

Eine Märchen zum entspannten Wochenende von Chefredakteur Dirk Pinnow

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 23.04.2011] Als vor einigen Jahren in einer Kleinstadt die kommunale Verwal­tung in einen Neubau zog, eröffnete dort im Erdgeschoss auch eine neue, großzügig gestaltete Kantine. Es gelang, als Pächter einen ambitionierten Ga­stronomen zu gewinnen, der aus wenigen guten Zutaten viele gute Speisen zu zaubern verstand. Werktäglich bot er zwei Gerichte an – ein bodenständiges leckeres Stammgericht, bevorzugt aus regionalen Produkten, und ein beachtli­ches Drei-Gänge-Menü, das jedem regulären Restaurant zur Ehre gereicht hätte. „Gesund – schmackhaft – preiswert!“, so das Motto des Pächters.

Da die Gemeinde in einem gewissen Umfang die Kantine subventionierte, hatte sie bestimmt, dass die beiden Gerichte nur an Beschäftigte der Stadtverwal­tung und ggf. noch deren Gäste abgegeben werden dürften. Somit konnten sich die dort Tätigen an zwei Werktagen je Woche einen Vorrat an Essensmarken im Pförtnerbüro besorgen – diese waren unbegrenzt gültig und jeweils mit „Stamm“ bzw. „Menü“ gekennzeichnet.
Der Abgabepreis indes konnte schwanken – moderate Anpassungen nach oben im Zuge der allgemeinen Teuerung im Lande konnten nicht ausgeschlossen werden. Verglichen aber mit den – wenngleich spärlichen – Angeboten zur Mit­tagszeit bei den herkömmlichen Restaurationsbetrieben in dem Städtchen, blieb das Angebot in jedem Fall ausgesprochen günstig. (more…)



 

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