25. Februar 2010

Vier Prozent zulässige Inflation empfohlen: Währungsfonds rüttelt an Tabu der Geldwertstabilität

Abgelegt unter: Aktuelles, Politik & Gesellschaft — Tags:, , , , , — dp @ 23:32

Sorge vor Reduzierung der US-Schuldenlasten durch gezielte Inflation

Führende Ökonomen rüttelten am letzten Tabu, das ihnen nach der Finanzkrise noch geblieben sei – dass Inflation schädlich sei und ein stabiler Geldwert deshalb oberstes Ziel der Notenbanken sein müsse. Diesen Konsens der letzten 30 Jahre habe nicht ein Rebell der Zunft in Zweifel gezogen, sondern einer der großen Meinungsmacher – Olivier Blanchard, der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), berichtete DiePresse.com am 25.02.2010:
Nicht mehr um zwei Prozent, wie bisher allseits anerkannt, solle der Geldwert pro Jahr schrumpfen dürfen, sondern um vier Prozent, so seine Empfehlung. Damit hätten Zentralbanken mehr Spielraum, um in Krisen die Wirtschaft aus der Schockstarre zu befreien.
Die Diskussion führe zurück in die Welt der 1970er-Jahre, als Inflationsrate und Zinssätze weit über fünf Prozent gelegen und stark geschwankt hätten – und niemand sicher gewesen sei, wie viel sein Barvermögen in einem Jahr noch wert sein würde. Damals sei es die Deutsche Bundesbank gewesen, die sich als Erste das strikte Ziel gesetzt hätte, durch Steuerung der Geldmenge die Teuerung auf Dauer nahe null zu halten und so die Erwartungen zu stabilisieren. Eine erfolgreiche Strategie, die bald von den meisten Zentralbanken übernommen worden sei – implizit auch von der US-amerikanischen Fed – und endlich zum identitätsstiftenden Dogma der Europäischen Zentralbank (EZB) geworden sei.
Nun verständen die Eurohüter in Frankfurt/Main die Welt nicht mehr. Ein „Spiel mit dem Feuer“ habe Bundesbank-Chef Axel Weber den IWF-Vorschlag genannt, eine „grob fahrlässige und gefährliche Gespensterdebatte“. Sei das Misstrauen in den Kurs der Geldpolitik erst einmal gesät, „wäre nichts erreicht und alles verloren“. Lorenzo Bini Smaghi, das EZB-Direktoriumsmitglied aus Italien, spreche sogar von einem „teuflischen Irrtum“.
Des IWF größter Anteilseigner seien die USA. Das wecke den Verdacht, hinter dem Vorstoß stünde der Plan der US-Regierung, mit gezielter Inflation ihre Schuldenlast zu erleichtern. Ben Bernanke, Chef der US-Zentralbank „Fed“, gebe diesen Sorgen zusätzlich Nahrung, als er das Konzept Blanchards deutlich milder kommentiert habe als seine europäischen Kollegen – die Idee sei riskant, aber „nicht ohne Reiz“.

Quelle: DiePresse.com, 25.02.2010
Originalartikel unter: Das gefährliche weltweite Spiel mit der Inflation

Weitere Informationen zum Thema:

Vapd23 auf YouTube, 26.11.2009

zdf – ueber 10% inflation

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