11. November 2011

Verlustgeschäft für Verbraucher: Gekündigte Lebens- und Rentenversicherungen

Verbraucherzentrale geht von bis zu 160 Milliarden Euro Verlust für die Verbraucher aus

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 11.11.2011] Durch den Abschluss von Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen hätten die Verbraucher in den letzten zehn Jahren bis zu 160 Milliarden Euro Verlust erlitten, meldet die verbraucherzentrale Hamburg (vzhh):
Dies ergebe sich aus einer Studie von Professor Andreas Oehler von der Universität Bamberg, die am 11. November 2011 von der vzhh vorgestellt wurde. Grundlage der Untersuchung seien 1.115 Fälle gekündigter Verträge von Verbrauchern, die sich in den letzten Jahren Hilfe suchend an die vzhh gewandt hätten. Danach ergebe sich durch die Hochrechnung mit Zahlen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft bei einer Stornoquote von sechs Prozent und einen Vergleich mit sicheren Anlageformen ein Schaden von 160 Milliarden Euro zwischen 2001 und 2010, also 16 Milliarden Euro im Jahr.
Nach den Erkenntnissen der vzhh seien bei den auf Jahrzehnte angelegten Verträgen Abbrüche aufgrund falscher Beratung, wegen Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, Existenzgründung, Immobilienerwerb oder der Erkenntnis, dass ein schlechter Vertrag unterschrieben wurde, die Regel und nicht die Ausnahme. Hohe Kosten und eine für die Versicherungskunden nachteilige Verrechnung der Kosten mit den von ihnen gezahlten Prämien führten dazu, dass dann oft gar kein Geld ausgezahlt werde oder dass der sogenannte Rückkaufswert deutlich geringer sei als die Einzahlungen.
Weder die Versicherungsreform von 2008 noch die erfreuliche Tendenz in der Rechtsprechung, nach der den Verbrauchern unter Umständen ein Teil des Schadens ersetzt werde, hätten diesen Missstand bislang befriedigend beseitigt, so Günter Hörmann, vzhh-Geschäftsführer. Die Verbraucher sparten sich das Geld für ihre private Vorsorge oft vom Munde ab, kritisiert Hörmann, doch im Alter stehe es ihnen nicht zur Verfügung, weil es fehlgeleitet werde.
Wenn Verbraucher vorzeitig aus Lebensversicherungen aussteigen, entsteht den meisten nach Angaben der Hamburger Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks ein erheblicher finanzieller Verlust. Die Gründe für den Ausstieg reichten von zu hohen monatlichen Belastungen bis zu übertrieben langen Laufzeiten. Als Schutz vor finanziellen Schäden oder aufwändigen Rechtsstreitigkeiten müsse es eine ausreichende und verständliche Information über die Vor- und Nachteile der Versicherung vor Vertragsabschluss geben. Dort fehle es aber noch an einer hinreichenden Aufklärung, damit wirklich jeder in die Lage versetzt werde, individuell die für ihn richtige Entscheidung zu treffen. Hamburg werde sich als Vorsitzland der Verbraucherschutzministerkonferenz 2012 für entsprechende Verbesserungen einsetzen.
Dieses Beispiel offenbar dramatische Missstände am Finanzmarkt und deren milliardenschwere Folgen, so Gerd Billen vom Vorstand verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). So etwas könne nur mit Hilfe einer verbrauchernahen Marktkontrolle aufgedeckt werden. Hierbei seien die Lehren aus der Finanzkrise noch nicht gezogen worden. Wir bräuchten eine staatliche Finanzaufsicht, die auch den Verbraucherschutz zum Ziel habe. Daneben benötigten wir dringend eine systematische Marktbeobachtung in Form eines Finanzmarktwächters – als Sensor und kollektiver Interessenvertreter der Verbraucher. Mit einer effektiven Aufsicht und einem funktionierenden Frühwarnsystem könnten falsche Anreize, unfaire Vertriebsmethoden und schädliche Produkte unterbunden werden.

Weitere Informationen zum Thema:

verbraucherzentrale Bundesverband
Initiative Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen

verbraucherzentrale Hamburg, 11.11.2011
Bei Abschluss: Verlust? / Das Ende vom Anfang einer Vorsorge: Milliardenschäden durch fehlgeleitete Abschlüsse von Kapitallebens- und Rentenversicherungen

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