15. September 2011

Verbraucherzentralen kritisieren Missachtung der Transparenzpflicht bei Provisionen durch Banken

Untersuchung der „Initiative Finanzmarktwächter“ der Verbraucherzentralen veröffentlicht

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 15.09.2011] Zwei von drei Banken und Sparkassen missachteten gegenüber ihren Kunden die Pflicht zur Offenlegung von Provisionen – so das Ergebnis einer Erhebung der Verbraucherzentralen im Rahmen ihrer „Initiative Finanzmarktwächter“:
Entweder die Geldhäuser hätten die Auskunft ganz verweigert oder unzureichend informiert. Das habe insbesondere Anfragen zu Zertifikate-Geschäften betroffen. Nur in zwei Prozent der Antworten hätten Banken die erhaltenen Provisionen vollständig offengelegt.
Der verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert nun eine Sonderprüfung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die BaFin müsss sicherstellen, dass sich die Banken an Recht und Gesetz halten, so Vorstand Gerd Billen. Vom Gesetzgeber fordert der vzbv eine rechtliche Klarstellung.
Im April 2011 hatten die Verbraucherzentralen private Anleger aufgerufen, ihre Banken und Sparkassen um eine Auflistung der Provisionen zu bitten, die sie für konkrete Anlageempfehlungen erhalten hätten. Die Untersuchung sollte dazu beitragen, die versteckten Anreize im Vertrieb von Finanzprodukten für Verbraucher transparent zu machen. 280 Kunden hätten die Verbraucherzentralen über ihre Anfragen informiert – in 172 Fällen hätten die Antworten der Banken vorgelegen. In über der Hälfte der Schreiben sei die Auskunft über die Provisionen ganz oder teilweise verweigert worden. Die Begründungen seien vielfältig – sie reichten vom Hinweis auf den hohen Arbeitsaufwand bis zum Verweis auf Informationen im Internet.
Der vzbv fordert den Bundestag nun auf, die einschlägige Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) gesetzlich zu verankern und sie auf alle Finanzgeschäfte gegenüber Verbrauchern auszuweiten. Der BGH hatte am 19. Dezember 2006 im Bezug auf Kommissionsgeschäfte geurteilt, dass Verbraucher erfahren müssten, welche Vergütungen Banken für eine Finanzvermittlung erhalten. Nur so könnten die Kunden einschätzen, wie groß das Eigeninteresse ihrer Bank an einer konkreten Anlageempfehlung sei.
In einem Viertel der Fälle hätten die Kreditinstitute die Offenlegung der Provisionen mit der Behauptung abgelehnt, beim Produktvertrieb habe es sich um Festpreisgeschäfte gehandelt. Bei diesen kauften sie die Wertpapiere in der Regel auf eigene Rechnung und realisierten ihre Gewinne durch die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis. Bei Kommissionsgeschäften träten die Banken dagegen als Vermittler auf und erhielten dafür eine Provision im klassischen Sinne. Die Rechtsprechung des BGH beziehe sich bislang nur auf diese Fälle. Gleichwohl bestehe auch bei Festpreisgeschäften ein Eigeninteresse der Bank, das die Kunden erkennen können sollten.
In rund einem Drittel der untersuchten Fälle hätten Banken und Sparkassen zwar über Provisionen informiert, allerdings größtenteils völlig unzureichend. Nur vier Geldinstitute hätten die Vergütungen in klarer, verständlicher und eindeutiger Weise offengelegt, das heißt in Euro und Cent, aufgegliedert nach einzelnen Wertpapieren und Kalenderjahren. Dies seien denkbar schlechte Voraussetzungen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, kritisiert Billen. Das Spiel mit verdeckten Karten müsse endlich ein Ende haben – der vzbv fordert eine klare und einheitliche Regelung zur Offenlegung von Provisionen und sonstigen Vertriebsanreizen, damit Verbraucher den wahren Preis von vermeintlich kostenlosen Finanzberatungen erkennen können.

Weitere Informationen zum Thema:

verbraucherzentrale Bundesverband, 14.09.2011
Banken missachten Transparenzpflicht bei Provisionen / Initiative Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen veröffentlicht Untersuchung

Print Friendly

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

*


 

Powered by WordPress