21. Oktober 2011

Verbot von Provisionen in Teilen des Finanzvertriebs wäre Meilenstein für Verbraucherschutz

verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt EU-Pläne und fordert Kurswechsel der Bundesregierung

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 21.10.2011] Ein „Meilenstein für mehr Verbraucherschutz im Finanzmarkt“ sei das von der EU-Kommission geplante Verbot von Provisionen in Teilen des Finanzvertriebs, so der verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv):
Die EU sei Deutschland beim Anlegerschutz weit voraus, kommentiert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Das gelte für die Reform der Finanzaufsicht ebenso wie für die des Finanzvertriebs. Die EU-Kommission will die anstehende Novellierung der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID nutzen, um finanzielle Anreize durch Dritte aus der unabhängigen Finanzberatung zu verbannen.
Die EU-Kommission habe die Zeichen der Zeit erkannt. Die Bürgerinnen und Bürger hätten kein Verständnis mehr, dass sich Banken auf ihre Kosten bereicherten, so Billen.
Einen Haken habe der Vorschlag der EU-Kommission allerdings, denn das Provisionsverbot solle nur für unabhängige Finanzberater gelten. Dies öffne ein unnötiges Schlupfloch für Banken. Das Verbot müsse daher für alle Finanzberater gelten, egal ob selbständig oder angestellt.
Weil im Vertrieb von Finanzprodukten Beratung und Verkauf nicht sauber getrennt sind, gibt es einen Interessenkonflikt, dessen Folge häufig Falsch- und Fehlberatungen sind. Die Bundesregierung habe laut vzbv auf dieses Problem bislang nur halbherzig reagiert, unter anderem durch die Einführung von Beratungsprotokollen und Produktinformationsblättern.
Geändert habe dies kaum etwas. Außerdem informierten Finanzdienstleister ihre Kunden weiterhin unzureichend über Provisionen – damit hätten die Verbraucher kaum eine Chance, den Interessenkonflikt zu erkennen. Dies habe zuletzt eine Untersuchung der Verbraucherzentralen im Rahmen ihrer Initiative „Finanzmarktwächter“ belegt.
Auch bei der deutschen Finanzaufsicht bestehe Handlungsbedarf – ihr fehle nach wie vor ein klares Mandat, sich umfassend um den Verbraucherschutz zu kümmern. Dies wäre erforderlich, um wirksam gegen unfaire Vertriebsmethoden und gefährliche Produkte vorzugehen. Auch dabei sei die EU Vorreiter – im September 2010 hätten sich Parlament, Rat und Kommission darauf geeinigt, dass Verbraucherschutz für ganz Europa ein verbindliches Aufsichtsziel werde. Anders die Bundesregierung – statt die nötige Reform anzupacken, unterstelle sie einen Teil des Finanzvertriebs der Aufsicht der Gewerbeämter, die dazu weder personell noch inhaltlich aufgestellt seien, kritisiert der vzbv.

Weitere Informationen zum Thema:

verbraucherzentrale Bundesverband, September 2011
Abschlussbericht / Offenlegung von Provisionen und Rückvergütungen im Wertpapiervertrieb / Gesetzlicher Anspruch und praktische Wirklichkeit

verbraucherzentrale Bundesverband
Banken missachten Transparenzpflicht bei Provisionen / Initiative Finanzmarktwächter der Verbraucherzentralen veröffentlicht Untersuchung

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