3. Juni 2010

Unterhaltung im doppelten Sinne: Brot und Spiele bis zum bitteren Ende

Ein Kommentar von unserem Gastautor Lutz Krause

[Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Gold Silber Kontor GmbH, 02.06.2010] Reisen bildet bekanntlich. Und wer mit offenen Augen in der Welt unterwegs ist, wird durchaus inspiriert vom Gewusel des modernen Stadtmenschen. Mitunter auch verwirrt. So sprang mich neulich in Zürich die Schlagzeile des „Blick am Abend“ an:
„Wir konnten vor Aufregung nicht schlafen.“ Was mag wohl diese Menschen so beunruhigt haben?, schoss es mir durch den Kopf. Die Tatsache, dass sich die Verschuldungsschlinge immer enger um den Hals der so genannten Industrienationen schnürt und eine sanfte Auflösung des Knotens nicht in Sicht ist? Oder etwa, dass wir Europäer den oft zitierten Gürtel unserer Lebensqualität immer enger schnallen sollen, damit die Bankenlobby bloß ihre Zinsen und Zinseszinsen erhält?
Nun, meine Neugierde war geweckt und so las ich weiter, und zwar das Kleingedruckte. Die Aufgeregten waren beileibe nicht schlaflos aus Sorge über unsere ungewisse Zukunft! Nein, es ging lediglich um irgendeinen „Pod“. Sie wissen schon, so ein kleines Technikspielzeug, dass unsere Jugend ständig vor Ihrer Nase trägt. Nennen wir ihn „Umgebungsausblender“, was es wohl am besten trifft. Um mein Erstaunen abzurunden, spazierte ich kurze Zeit später an einer Menschenschlange vor so einem „Pod-Laden“ vorbei. Dort standen sie: jung, dynamisch, ahnungslos. Aber sie brauchten den brandneuen „Umgebungsausblender“ unbedingt, und zwar sofort! Schließlich lässt sich nur so an unserem Gesellschaftsspiel „Höher – schneller – weiter“ erfolgreich teilnehmen… Klingt für aufgewachte Zeitgenossen krank, oder? Ist es auch! Zumindest ich war jetzt beruhigt, weil ich diese ungewohnte Menschenschlange intuitiv mit Bildern von Suppenküchen aus der letzten Großen Depression der 1930er-Jahre assoziierte…

Was zeigt uns das? Richtig, noch immer funktioniert das alte römische Prinzip „Brot und Spiele“ beinahe perfekt! Zumindest für den Großteil der Bevölkerung, egal ob in der Schweiz, in Deutschland oder Frankreich. Übrigens mussten in der Endphase des römischen Imperiums allein in der Stadt Rom über 300.000 Menschen unterhalten werden – und dies im doppelten Sinne des Wortes! Es ist leicht verständlich, dass diese Mammutanforderung in Kombination mit dem teueren Unterhalt der Legionen die römische Staatskasse in den Ruin trieb.

Apropos Wahrnehmung: Kürzlich wurde in einem Nischensender – hier gibt es ab und zu noch seriöse Reportagen – die Geschichte des Industriellen Friedrich Flick erzählt. Dabei wurde enthüllt, dass der Stahlbaron Anfang der 1920er-Jahre die Regierung Brüning dazu überredete, seinen angeschlagenen Konzern mit dem vierfachen Betrag des damaligen Börsenwertes aus der Patsche zu helfen! Kommt Ihnen, werter Leser, diese Verhältnismäßigkeit irgendwie bekannt vor? Genau! Die Rettung der Commerzbank durch die Übernahme eines 25%-Aktienpaketes durch den Staat Ende 2008 wurde nämlich ebenso gestaltet: Wir Steuerzahler erhielten für 16 Milliarden Euro ein Miteigentum im Börsenwert von damals rund 4 Milliarden Euro! Da sage niemand, Geschichte wiederhole sich nicht…

Geschichten aller Couleur ranken sich auch um die Rücktritte von Roland Koch und Horst Köhler. Nun, der Laie wundert sich, der Fachmann runzelt die Stirn. Ist dies ein Zeichen von Politikmüdigkeit oder Resignation? Böse Zungen behaupten mit Verweis auf die makroökonomischen Kenntnisse vor allem vom ehemaligen IWF-Chef Köhler, die „Ratten“ würden das „sinkende Schiff“ verlassen! Zumindest der Zeitpunkt und die Abruptheit dieses Schrittes korrespondieren perfekt mit der angespannten Situation in der Euro-Zone, wo der Ausweg für die Politiker klar definiert ist: Aufschulden und sparen, koste es, was es wolle!
Damit ist das Ergebnis programmiert: Kreditausweitung bis zur Hyperinflation mit deflationärem Zwischenspiel und abschließender „Neuordnung des Geldwesens“, der euphemistischen Umschreibung für eine erneute Währungsumstellung. Dabei spielt es keine Rolle, ob jene Währungsumstellung bereits in wenigen Wochen oder erst in ein paar Jahren erfolgt. Sicher ist, dass sie kommen muss! Ökonomisch beschlagene Menschen wie Horst Köhler wissen das und möchten sicherlich darauf verzichten, am „D-Day“ (= Domino-Tag) persönlich zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Was bleibt uns bis dahin zu tun? Als Antwort darauf zitiere ich den Wirtschaftsjournalisten Gerhard Czerwensky: „Es ist besser Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, dass die Flut allmählich Vernunft annimmt.“ Hören Sie also auf zu hoffen, dass „die da oben“, das destruktive Gemisch aus Politik- und Finanzmarktlobby es für uns „einfaches“ Volk richten werden, sondern bauen Sie mit Ihren Lieben zusammen Deiche! Am sinnvollsten aus allem, was sich abmessen und wiegen lässt. Ganz eindeutig bieten sich hier die edlen und als Wertspeicher erprobten Metalle Gold und Silber als Fundament an. Denn im Gegensatz zu unseren virtuellen Konten und Geldscheinen, können Unze und Gramm nicht verrufen werden!

Weitere Informationen zum Thema:

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 13. Mai 2010
Expertentipps – Beruhigung für die Frösche / Ein Kommentar von unserem Gastautor Lutz Krause

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1 Kommentar »

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