17. Juni 2010

Tag der Immobilienwirtschaft 2010: Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit als Standortvorteil

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ZIA-Fachtagung „Von der Staatshilfe zum Haushaltsloch – was erwartet die Immobilienwirtschaft?“ in Berlin

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 17. Juni 2010] Beziehungsreich war der Veranstaltungsort für den „Tag der Immobilienwirtschaft 2010“ gewählt – im ewerk Berlin, in unmittelbarer Sichtweite des Bundesministeriums der Finanzen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) hatte seine Immobilienfachveranstaltung der Frage gewidmet, bei wem und wie ab 2011 zehn Milliarden Euro jährlich eingespart werden könnten, um der im Grundgesetz verankerten „Schuldenbremse“ ab 2016 Genüge zu tun:
Der ZIA befürchtet, dass notwendige Infrastrukturmaßnahmen zurückgehalten werden und letztlich hohe volkswirtschaftliche Schäden drohen. So forderten auch die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion mehr Verlässlichkeit in der politischen Entscheidungsfindung – und mehr Spielraum für die Immobilienwirtschaft. Barbara Knoflach, Geschäftsführerin der SEB Investment GmbH, bedauerte in diesem Zusammenhang die mangelnde Konsenskultur im politischen Alltag, kritisierte gar die weit verbreitete Konfrontationsbereitschaft. Sie forderte weniger Populismus und sprach sich für mehr solide Arbeit „made in Germany“ aus.
Friedrich-Wilhelm Patt, Sprecher der Geschäftsführung der Hannover Leasing GmbH & Co. KG, meinte, dass zur politischen Verlässlichkeit gehöre, nicht alle halbe Jahre Änderungen der Regularien vorzunehmen. Sarkastisch fügte er hinzu, dass ja bei der gegenwärtigen Bundesregierung die „Hoffnung“ bestehe, dass kaum noch etwas in dieser Hinsicht passieren werde. Die bislang erfolgten ständigen Rechtsveränderungen und -anpassungen hätten kaum die Krise verhindert, mahnte er.
Verlässlichkeit und Kontinuität könnten Deutschland zum Standortvorteil gereichen, führte Prof. Dr. Norbert Herzig, Direktor an der Universität Köln, aus.
Die Probleme der Immobilienkrise seien schon vor der Krise bekannt gewesen, so Prof. Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Witschaftsforschung. So benannte er die Umlenkung von Kapitalströmen als Problem und sprach sich dafür aus, Vermögenswerte gleichermaßen zu besteuern, da sonst eine Fehl-Allokation zu Lasten anderer Bereiche drohe – eine strikte Investitions-Neutralität sei erforderlich.
ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner leitete schließlich über zum Festvortrag des Ehrengastes, Bundesminister Dr. Peter Ramsauer, und betonte die Bedeutung der Eigenverantwortung – unter fairen Bedingungen. Dazu gehörten u.a. ein ausgewogener Anlegerschutz, der Abbau überflüssiger Barrieren sowie weniger Bürokratie in Bund, Ländern und Gemeinden nebst der zügigen Erteilung von Baugenehmigungen – darüber ließe sich quasi ein „Konjunkturpaket 3“ realisieren.
Dr. Ramsauer stellte eingangs fest, dass es ihm wichtig sei, nicht auf die Rolle als „Bundesverkehrsminister“ reduziert zu werden. An diesem Abend sehe er sich eher als Bundesminister für Bau und Stadtentwicklung. Natürlich beträfen die aktuellen Sparmaßnahmen auch die Immobilienwirtschaft, dies sei aber nicht gleichbedeutend mit einem Weltuntergang. Er stehe zu der „Schuldenbremse“ im Grundgesetz – und diese mache Einschnitte erforderlich. Aber die Wohnungsbauprämie bleibe ungeschmälert erhalten – und erfülle so ihre zentrale Bedeutung zur Eigentumsbildung im Lande. Eigentum sei für ihn elementare Voraussetzung für den Sozialstaat und gelebte Solidarität, denn nur wer etwas sein Eigen nenne, könne auch davon etwas an Bedürftige abgeben. Anders etwa als in den USA habe sich die Immobilienwirtschaft gerade in Deutschland als Stabilisator in der Krise erwiesen. Schließlich betonte er, dass Nachhaltigkeit im Bau keine Floskel bleiben dürfe – der Bund gehe in dieser Frage beispielgebend voran.

Weitere Informationen zum Thema:

ZIA
Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.

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