25. März 2010

Sylter Neun: Genossenschaftsgründung zur Förderung des Qualitätsjournalismus

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Zeitalter der Kreativen und ganzheitlich Denken erfordert innovative Strukturen

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 25.03.2010] GTIV-Präsident Dirk Pinnow (D.P.) im Gespräch mit Hans-Herbert Holzamer, Inhaber von ‘Holzamer-Medien’ in Gräfelfing, über die Genossenschaftsgründung der „Sylter Neun“:

D.P.: Herr Holzamer, das 29. Sylter Manifest ‘Wird der Journalismus kaputt getwittert’ bildet inzwischen – wenn über Qualitätsjournalismus und Web 2.0 gesprochen wird – gewissermaßen eine Tischvorlage…

© Holzamer-Medien

© Holzamer-Medien

Hans-Herbert Holzamer, designierter Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft der „Sylter Neun“

Holzamer: Danke, Das höre ich gern!

D.P.: Die Verfasser des Manifests wollen sich mit ihren Ende November 2009 gemachten Ausführungen sicher nicht zufrieden geben…

© PINNOW & Partner

© PINNOW & Partner

Dirk Pinnow, Präsident der GTIV e.V.

Holzamer: Nein, wir haben doch auf Sylt beschlossen, mehr zu tun, als nur ein Papier zu liefern, auch wenn dieses inzwischen eine gewisse Bedeutung erlangt hat!

D.P.: Deswegen schreiten Sie jetzt zur Gründung einer Genossenschaft – der „Sylter Neun“?

Holzamer: Ja, sie ist beschlossen; unser Jurist kümmert sich um die Formalien.

D.P.: Eine Genossenschaft zu gründen ist ungewöhnlich, warum keine GmbH? Aber bleiben wir zunächst bei den Inhalten – was soll die Genossenschaft tun?

Holzamer: Generell den Qualitätsjournalismus fördern und ihm eine Überlebenschance in der Zeit des Internet eröffnen!

D.P.: So dramatisch?

Holzamer: Durchaus, hinter der Dramatik schimmert aber auch unser Engagement durch.

D.P.: Ja, bitte?

Holzamer: Das heißt, dass wir nicht wehklagen über die neuen Zeiten; wir sehen das Web 2.0 als Chance, als eine Herausforderung, die wir annehmen und gestalten wollen.

D.P.: Da sind Sie doch aber nicht alleine?

Holzamer: Doch! Sicher, wenn es um das Web selbst geht, haben Sie wohl recht; wenn es aber um die Zielsetzung Qualitätsjournalismus geht, sind wir absolute Avantgarde!

D.P.: Nicht doch bloß ein ‘Häuflein von neun Aufrechten’?

Holzamer: Warten Sie es ab! Zum einen treten wir nicht an als Prediger, die alle anderen zum ‘rechten Weg’ bekehren wollen. Das sind wir nicht, wir sind vielleicht Idealisten, aber keine Phantasten.
Wir denken in Netzwerken, wir suchen Kooperationspartner. Früher fraßen die Großen die Kleinen, dann die Schnellen die Langsamen; heute ist die Stunde der Kreativen und ganzheitlich Denken gekommen. Wir betrachten uns als den ‘Sauerteig der Medien’.

D.P.: Das ist mir zu blumig!

Holzamer: Wie hätten Sie es denn gerne?

D.P.: Schon etwas konkreter, bitte!

Holzamer: Nun, wir planen drei Säulen: Eine Journalistenakademie, ein Textportal sowie die Schaffung eines Qualitätsstandards.

D.P.: Ich bin beeindruckt.

Holzamer: Nichts davon werden wir ‘aus dem Hut zaubern’ können. Die Journalistenakademie ist bislang eine Idee, am Textportal für Journalisten wird aber bereits gearbeitet. Am Konkretesten sind Projekte zur Schaffung eines Qualitätsstandards. Wir werden eine Studie erstellen, ein Innovationsforum und ‘Executive-Meetings’ durchführen.

D.P.: Das wollen Sie alles alleine stemmen?

Holzamer: Die Meetings finden auf Sylt in Kooperation mir unseren Sponsoren statt, das Innovationsforum mit Universitäten, Verlagen und der Öffentlichen Hand. Da laufen die Gespräche. Für die erste Studie haben wir bereits das Thema.

D.P.: Und das lautet?

Holzamer: Wir denken zwar in Kooperationen, wollen uns aber unsere Ideen möglichst nicht klauen lassen. Daher ‘gackern’ wir erst, wenn das ‘Ei gelegt’ ist.

D.P.: Aber Sie werden doch nicht bestreiten, dass Sie auch in wirtschaftlichen Kategorien denken?

Holzamer: Wie sollten wir denn die Akademie aufbauen und erfolgreich betreiben können, wenn wir keine Erlöse generierten? Aber gerade dafür taugt das von uns gewählte Genossenschaftsmodell.

D.P.: Bitte etwas genauer!

Holzamer: Es trennt die Entscheidungsfindung von dem investierten Kapital. Jedes Mitglied – von mir aus jeder ‘Genosse’ – hat eine Stimme, egal, was er einzahlt. Das ist so geregelt, ebenso auch die Verwendung des Geldes.

D.P.: Und darin sehen Sie Vorteile gegenüber der Rechtsform GmbH?

Holzamer: Ja, eindeutig! Wir setzen primär auf die Köpfe, erst dann aufs Kapital. Und wer hat behauptet, dass großes Geld große Gedanken produziert?
Wir haben neun Köpfe, keiner wird dadurch größer oder kleiner, dass er mehr oder weniger einzahlt. Nur die Finanzüberschüsse werden nach dem eingezahlten Kapital verteilt.

D.P.: Und bei der Entscheidungsfindung?

Holzamer: Auch hier hat jeder nur eine Stimme. Wir haben natürlich einen Vorstand und einen Aufsichtsrat, einen Ehrenvorsitzenden, das ist Professor Szyperski, und einen Vorstandsvorsitzenden, das bin ich.

D.P.: Und die Haftung?

Holzamer: Die Genossenschaft muss liquide sein; gehaftet wird mit ihrem Vermögen, nicht mit dem Privatvermögen.

D.P.: Das klingt hochinteressant – gerade in schwierigen Zeiten sind Innovationen gefragt. Mir bleibt, Ihnen für das Gespräch zu danken und Ihnen und Ihren ‘Genossen’ viel Erfolg zu wünschen!

Weitere Informationen zum Thema:

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 04.02.2010
Mit Hilfe der Neuen Medien den Qualitäts-Journalismus des 21.
Jahrhunderts etablieren / Wolfgang Rogalski und Hans-Herbert Holzamer im
Gespräch über die 29. Sylter Runde

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 25.09.2009
Bei den Scientific Entrepreneurs liegt der Fokus auf dem unternehmerischen Nachwuchs / GTIV-Präsident Dirk Pinnow im Gespräch mit Dr. Dr. h.c. Norbert Szyperski über Scientific Entrepreneurship

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1 Kommentar »

  1. Der Gedanke der Genossenschaft ist ein guter Gedanke, den wir ebenfalls umgesetzt haben. Ich erkenne jedoch in der Ausführung einige Defizite die unter Umständen dazu führen daß das Projekt scheitern könnte.

    Ein Erfahrungsprozess den wir im Rahmen der Gestaltung unserer vorhaben der Mittelstandsförderung und des Verbraucherschutzes durchlaufen mussten.

    Wir haben ebenfalls eine eigene Akademie ins Leben gerufen und haben dazu noch Finanzierungsstrukturen geschaffen, die dem Mittelstand direkt zu gute kommen.

    Mittlerweile gehen wir dazu über Genossenschaftsgründungen durch unsere Akademie voranzubringen.
    Ich wünsche der Organisation viel Erfolg. Stellt sich für mich allerdings noch die Frage warum eine eigene Akademie ins leben rufen?

    Kommentar by Hans-Jürgen Bell — 26. März 2010 @ 10:37

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