3. Januar 2013

Stühlerücken auf der Titanic: Ohne Zähmung des Narzissmus keine Rettung aus der Krise

Ein schonungsloses Psychogramm der orientierungslosen Gier- und Konsumgesellschaft von Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 03.01.2013] Die Gesellschaft sei in die „Narzissmus-Falle“ geraten, sagt Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz. Solange wir keine Mittel und Wege finden, den Narzissmus und die ihm zugrunde liegende Bedürftigkeit zu zähmen, glichen alle unsere Versuche, die Krise zu überwinden und die gesellschaftlichen Verhältnisse doch noch zum Besseren zu verändern, einem „Stühlerücken auf der Titanic“, so Maaz in seinem Werk „Die narzistische Gesellschaft – Ein Psychogramm“.

Abbildung: INSTITUT50plus, Flensburg

Abbildung: INSTITUT50plus, Flensburg

Gier nach Geld oder anderen Lebensvorteilen ein Ausdruck einer narzisstischen Störung…

Psychoanalytiker Maaz gibt sich mit der Antwort nicht zufrieden, Gier – den Hals nicht voll kriegen zu können – sei die tiefere Ursache der Krise unseres Finanz- und Gesellschaftssystems. Gier nach Geld oder anderen Lebensvorteilen, so möchte er darstellen, sei vielmehr Ausdruck einer narzisstischen Störung.
Der narzisstische Mensch sei im Kern ein um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Mensch, der alles tue, um die Bestätigung, die er zum Leben braucht, zu erhalten. Diese narzisstische Kompensation bedürfe ständig erweiterter Ablenkung durch Konsum, Besitz, Animation und Aktion.
Gier sei daher keine spezifische Charaktereigenschaft etwa von Bankern oder lediglich Folge falscher Anreize – für Maaz ist sie ein zentrales Symptom der narzisstischen Bedürftigkeit der meisten Bürger der westlichen Konsumgesellschaften. Besonders ausgeprägt sei sie allerdings bei den Trägern gesellschaftlicher Macht anzutreffen – bei Politikern, Managern und Stars.

Weitere Informationen zum Thema:

C.H.BECK
Maaz, Hans-Joachim / Die narzisstische Gesellschaft / Ein Psychogramm

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