25. November 2010

StarTUp: Wer den Wert des Geldes herausfinden wolle, solle sich welches beschaffen

Gründer über eigene Fehler und Erkenntnisse auf dem 3. „Alumni.Angel.Abend“ der TU Berlin

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 25.11.2010] Am 24. November 2010 stellten sich fünf junge Gründungsteams im Rahmen der Veranstaltung „ORCO-GSG-Pitch“ potenziellen Business-Angels vor. Anschließend eröffnete der Präsident der Technischen Universität Berlin (TUB), Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, mit einem Grußwort den 3. „Alumni.Angel.Abend“ im Lichthof des Hauptgebäudes.
Er nahm Bezug zu dem Auf und Ab der Gründungsbetreuung in der Vergangenheit und bemerkte selbstkritisch, dass dieser so wichtige Prozess lange Zeit nicht gepflegt wurde – ja das Thema sei zeitweilig der TUB gar „fremd“ gewesen. Er schlug sodann den Bogen in die innovative Gegenwart und dankte insbesondere Agnes von Matuschka, der Leiterin des Gründungsservices der TUB, für deren Engagement. Gerade im Kontext der allgegenwärtigen Sparmaßnahmen komme der TUB in der deutschen Hauptstadt eine besondere Bedeutung zu – sie generiere einen Zusatznutzen für die Kommune, der über bloße Bildungsaspekte weit hinaus gehe. Eine Bewertung habe hierzu einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag ermittelt.
Einer Spende eines großen Unternehmens sei es zu verdanken, dass die TUB ein eigenes „Zentrum für Entrepreneurship“ mit einer Stiftungsprofessur habe. In der Bismarckstraße entstehe ein „Inkubator“, der in einer ersten Ausbaustufe 90 Start-ups Platz bieten werde. Damit werde gewissermaßen eine prozessuale wie geographische Kette geschlossen, denn die räumliche Nähe zur TUB erlaube den engen Austausch zwischen Gründern und Wissenschaft.

Frau von Matuschka dankte den Sponsoren des Abends und übergab das Wort an TUB-Alumnus Uwe Ahrens. Dieser berichtete über seine Erfahrungen als Gründer u.a. der aap Implantate AG. Er stellte die These, wer den Wert
des Geldes herausfinden wolle, solle sich welches beschaffen, an den Anfang seiner Ausführungen. Neben einer guten Gründungsidee und Rückhalt in der Familie sei die Finanzierung das dritte wesentliche Standbein für den Erfolg – man möge sich darauf einstellen, dass zwischen der Vorstellung der Idee und dem tatsächlichen Fließen des Geldes mindestens ein Jahr vergehen werde. Auf die Liquidität sei strikt zu achten, zumal eine Nachfinanzierung sehr schwierig sei. Die Familie sollte in dieser kritischen Phase der Startfinanzierung mit eingebunden werden; auch müsse sich jeder selbst kritisch fragen, ob er zum Unternehmer tauge – ggf. müsse ein Kaufmann in die Geschäftsführung geholt werden. Für den Finanzierungsmix sollte man sämtliche sich bietende Fördermöglichkeiten und auch die angebotenen Beratungen nutzen. Zum Auftreten gegenüber den potenziellen Geldgebern riet er zu seinem gesunden Selbstbewusstsein, freundlichem Auftreten und gepflegtem Erscheinungsbild. Im Verlauf der Partnerschaft mit den Geldgebern sollten die ganz sicher auftretenden Probleme offen und ehrlich angesprochen werden.
Als erfolgreicher Unternehmer schließlich habe man diverse Gründe, selbst zum Business-Angel zu werden; da sich in Deutschland inzwischen das Unternehmerbild in der Öffentlichkeit langsam wandle, sei dies durchaus mit gesellschaftlicher Anerkennung verbunden. Einem Engagement als Business-Angel böten sich überproportionale Gewinn-, aber auch Verlustchancen. Das Gefühl, gebraucht zu werden, Kurzweil und schlussendlich der Anspruch, die TUB zur „Gründerschmiede“ zu machen, seine weitere gute Gründe. Ein Business-Angel habe aber auch Pflichten – so eben neben der Vergabe guter Ratschläge auch tatsächlich Geld in die Hand zu nehmen. Neben einer einwandfreien Ethik und gelebter Fairness dürfe aber kein Zweifel an der Gewinnorientierung bestehen, denn das Streben allein nach wissenschaftlichem Ruhm sei kein tragfähiges Modell.

TUB-Alumnus Daniel Bülhoff, Gründer der sMeet Communications GmbH, warnte aus eigenem Erleben, dass auch zu viel Geld in der Startphase Probleme bereiten könne, wenn die Gründer damit zu voreilig investierten, ohne einen ausgefeilten, fokussierten Geschäftsplan zu haben. Leicht könne Technikbegeisterung bei Gründern und Geldgebern zur Vernachlässigung der Wirtschaftsaspekte führen – insbesondere Forscher und Entwickler neigten dazu. Auch sollte man sich auf maximal drei Entscheider im Gründungsteam konzentrieren. Erkenne man einen Irrweg, gelte es, den Mut zur sehr harten Zeit des Durchstartens auf sich zu nehmen.
„Meilensteine“ der Geschäftsentwicklung müssten gesetzt und der Finanzierungsplan darauf abgestellt werden. Für den Businessplan sei entscheidend, dass das Geschäftsmodell stimme, also klar sei, wie das Geld verdient wird. Förderlich sei es für die Gespräche mit potenziellen Geldgebern, bereits ein Produkt präsentieren zu können – ggf. als Prototyp, zumindest aber als Modell bzw. Demonstration. Zur Startfinanzierung möge man im engeren sozialen Umfeld mit der Suche nach Geldgebern beginnen.

Frau von Matuschka und Prof. Steinbach würdigten zum Abschluss des offiziellen Teils eine Reihe von erfolgreichen Alumni-Gründungsvorhaben mit Wachstumschancen mit dem Qualitätssiegel „StarTUp“ – die jeweiligen Repräsentanten der Gründungsteams erhielten eine Urkunde und eine Nachbildung der Nike-Skulptur aus dem TUB-Lichthof.

© Auf dem Campus

Nike-Statue im Lichthof der TU Berlin, Foto: Auf dem Campus

Weitere Informationen zum Thema:

Technische Universität Berlin
Zentrum für Entrepreneurship

Technische Universität Berlin
Alumniprogramm

TU Berlin Gründungsservice/Gründungswerkstatt
Abteilung V / Gründungsservice

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