3. Mai 2012

Soziale Marktwirtschaft als Geisteshaltung so aktuell wie 1952

Klare Worte zum 60. Jahrestag des Wirtschaftspolitischen Clubs Deutschland e.V.

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 03.05.2012] Anlässlich der Feier des 60. Jahrestages des Wirtschaftspolitischen Clubs Deutschland e.V. (WPCD) am 26. April 2012 im Restaurant „Sarah Wiener“ am Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart betonte WPCD-Präsident Jürgen Simmer, dass die Clubgründung am 28. April 1952 „unvermeidbar und notwendig“ gewesen sei – und zitierte damit das Gründungs- und heutige Ehrenmitglied Walter Scheel. Sodann übermittelte er die Grüße des Altbundespräsidenten, der dem WPCD alles Gute für die nächsten 60 Jahre wünschte.
Die Diskussion wirtschaftspolitischer Fragen im Kontext der Sozialen Marktwirtschaft sei heute so aktuell wie 1952, so Simmer. Denn deren Akzeptanz sei spürbar durch die aktuelle Krise geschwächt worden. Man müsse gerade jetzt hervorheben, dass es dabei um Teilhabe- und Generationsgerechtigkeit sowie Nachhaltigkeit gehe. Konkret müsse ein angemessener Wohlstand ermöglicht, die Bildung gestärkt und eine moderne Arbeitswelt geschaffen werden. Dem Wissenstransfer als Garant der Innovationsfähigkeit und damit wachsender Produktivität komme große Bedeutung zu. Auch ökologische Aspekte, so etwa Haftungsfragen im Umweltbereich, gehörten heute mit zu Aspekten der Sozialen Marktwirtschaft. Schließlich müssten noch Zuwanderungsregeln aufgestellt werden, die die Integration Leistungswilliger erleichterten. Ihm gehe es um ein lebenswertes Deutschland, in dem der Staat sich auf seine Rolle als Ordnungsmacht konzentriere, erläuterte Simmer. Deshalb müsse man für die Soziale Marktwirtschaft neue Akzeptanz schaffen, so sein Fazit.
Dr. Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, hob in seinem Grußwort hervor, wie vorausschauend die Gründer des Clubs vor 60 Jahren gewesen seien – denn zu dieser Zeit sei ein Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft noch längst nicht Allgemeingut gewesen. Trotz des Anspruchs, „Wohlstand für alle“ schaffen zu können, werde diese Wirtschafts- und Sozialordnung immer wieder in Frage gestellt. So habe auch der Club of Rome Kritik angemeldet – man könne nun durchaus über die Art des Wachstums, nämlich im Kontext der Nachhaltigkeit, diskutierten, betonte der Bundesminister. Aber, so nun seine Kritik, in den 1970er-Jahren sei im Zuge der Infragestellung der Sozialen Marktwirtschaft auch Pessimismus propagiert worden, habe man eher auf eine fortschrittsfeindliche Grundhaltung gesetzt, statt auf innovativer Unternehmer. Der Vertrauensverlust jener Zeit habe die Hoffnung genährt, der Staat könne Löser aller Probleme sein. Dabei sei doch aber z.B. die Tarifautonomie eine Errungenschaft für Deutschland, wenn bei vielen Marktteilnehmern eine faire Auseinandersetzung erfolge. Dr. Rösler hob auch die Bedeutung der fast vier Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hervor, in denen sich in besonderer Weise Kreativität entfalte. Wohlstand in der Welt, so Dr. Rösler, könne es nur bei Offenheit und Fairness geben. Der Vertrauensverlust unserer Tage rühre von der Verletzung des Leistungsprinzips hinsichtlich der auf den Markt gebrachten Güter und Dienstleistungen her – vielfach setze sich heute derjenige Anbieter durch, der den besten Durchblick durch komplexe Regelwerke hat; insbesondere im Gesundheitswesen habe er da so seine eigenen Erfahrungen gemacht. Der Staat aber solle Schiedsrichter sein; er möge dabei eine klare Mittelstandsorientierung haben und einen gesunden Fortschritt ermöglichen. Man müsse dabei ein Signal gegen die „Miesmacher und Pessimisten“ aussenden – konkret durch die Stärkung der Sozialen Marktwirtschaft als Geisteshaltung.

Weitere Informationen zum Thema:

Wirtschaftspolitischer Club Deutschland e.V.
Politischer Diskurs auf hohem Niveau in der Atmosphäre eines Clubs

Print Friendly

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

*


 

Powered by WordPress