28. März 2012

Situation hilfebedürftiger Demenzkranker soll verbessert werden: Pflegeversicherung wird reformiert

Filed under: Aktuelles,Politik & Gesellschaft — Schlagwörter: , , , , , — dp @ 23:41

Ab 2013 soll der Beitragssatz für die Pflegeversicherung um 0,1 Prozent steigen

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 28.03.2012] Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung beschlossen – damit sollen die Situation hilfebedürftiger Demenzkranker deutlich verbessert und zugleich Angehörige und Familien entlastet werden.
Pflege sei ein Thema, dass alle in der Gesellschaft früher oder später ereile. In dem Gesetzentwurf werde erstmals der besondere
Betreuungsbedarf bei Demenz berücksichtigt. Sie wollten insbesondere die ambulante Versorgung für diese Personengruppe ausbauen. 500.000 Demenzkranke profitierten sofort von der Neuregelung, weil sie nun regulär Pflegeleistungen in Anspruch nehmen könnten, sagt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Ganz gezielt werde jetzt die Situation für Menschen verbessert, die bisher keine Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten hätten, so Bahr.
Solange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können – das wünschen sich die meisten älteren Menschen. Wird die Vergesslichkeit größer, ist eine vertraute Umgebung besonders wichtig für die eigene Orientierung. Deshalb soll diese Pflegereform der Bundesregierung den Grundsatz „ambulant vor stationär“ unterstützen. Dazu gehöre, dass Pflegebedürftige zukünftig zwischen Leistungen und Zeiteinheiten frei wählen könnten – so könne mit dem Pflegedienst vereinbart werden, ob die Zeit z.B. für einen Spaziergang oder zur Körperpflege genutzt werden soll. Pflegedienste sollten künftig neben der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung auch die Leistung „Betreuung“ anbieten, die sich speziell an Demenzerkranke richte. Außerdem
sollten neue Wohnformen gefördert werden – dann könnten Wohngruppen bis zu 200 Euro für die Einstellung einer Pflegekraft erhalten.
In unserer immer älter werdenden Gesellschaft steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen weiter an – heute seien es circa 2,4 Millionen Menschen, in wenigen Jahrzehnten würden es über vier Millionen sein. Auch die Zahl der Demenzkranken – derzeit 1,4 Millionen – werde deutlich ansteigen. Viele Jahre lang liegt die Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige in der Familie. Die Bundesregierung plane deshalb, pflegende Angehörige besser zu unterstützen – sie sollten leichter als bisher die Pflege unterbrechen können. Die Auszeit könne dann zum Beispiel für eine Reha-Maßnahme genutzt werden, was besonders gefördert werden solle.
Die Bundesregierung sorge zum ersten Mal dafür, dass der besondere Unterstützungsbedarf von Menschen mit Demenz in der Pflegeversicherung berücksichtigt werde. Bislang würden diese Hilfen durch die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichend abgedeckt. Der Gesetzentwurf sehe deshalb vor, ab 2013 den Beitragssatz für die Pflegeversicherung um 0,1 Prozent anzuheben. Gleichzeitig solle der Einstieg in eine freiwillige private Vorsorge erfolgen – diese private Vorsorge solle steuerlich gefördert werden und bedürfe noch einer gesetzlichen Regelung.

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