22. Oktober 2009

Schnelle Frage – schnelle Antwort: Bedingungsloses Grundeinkommen

Verlagsleiter Wolfgang Rogalski im Snack-Interview mit Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Szyperski und Prof. Götz Werner

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 22.10.2009] Verlagsleiter Wolfgang Rogalski (W.R.) für das Magazin am Finanzplatz Deutschland im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Szyperski von der  „Betriebswirtschaftlichen Forschungsgruppe Innovative Technologien“ der Universität zu Köln und Prof. Götz Werner, Leiter des „Interfakultativen Instituts für Entrepreneurship“ an der Universität Karlsruhe, über ein bedingungsloses Grundeinkommen:

W.R.: Herr Professor Szyperski, wie stehen Sie zu den Überlegungen Ihres Kollegen Professor Werner bezüglich eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Szyperski: Grundsätzlich ist die generelle Bürgersicherung durch einen geordneten und gemeinsam verantworteten Lastenausgleich eine Basis der Sozialen Marktwirtschaft. Soweit einverstanden. Über die Ausprägungen würde ich mich gerne streiten. Ich habe gewisse Sympathien für das US-Modell, nach dem – gespiegelt an einem Richtlohnwert – im Falle geringeren Einkommens in einem begrenzten Umfange Lohnsteuergutschriften erfolgen. Dies in Analogie zum steuerlichen Verlustausgleich für Unternehmen. Selbstverständlich muss zur Sicherung des Minimums geholfen werden, es darf aber nicht die eigene Verantwortung im Sinne der Subsidiarität verschüttet werden.
Jeder Bürger ist und bleibt ja eben auch ein „Lebensunternehmer“ – lesen Sie das Memorandum Turn around Deutschland! der 3. Sylter Runde aus dem Jahre 2003!

Werner: Der Unternehmer leistet realwirtschaftlich stets für andere – die von den Menschen in den Unternehmen geschaffenen Güter dienen der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen. Diese „Leistung“ sollten wir steuerfrei stellen, denn sie ist ja im Interesse unserer Mitmenschen, also auf die Bedürfnisse der Leistungsempfänger gerichtet. Wird die Einkommensteuer konsequenterweise abgeschafft – die relative Bedeutung der Mehrwertsteuer nimmt ja bereits zu -, müsste auch der Steuerfreibetrag anders gestaltet werden.
Wie sichern Sie bei einer ausschließlichen Mehrwertsteuer, dass das Existenzminimum steuerfrei bleibt? Indem Sie die im Existenzminimum enthaltene Mehrwertsteuer auszahlen. Vom Prinzip her ist das wie der Einkommensteuerfreibetrag, der heute schon jedem zusteht. Durch das Bürgergeld, das hoffentlich durch die neue Regierung umgesetzt wird, wird daraus eine Art negative Einkommensteuer. Da alle Bürger konsumieren, müsste sie an alle Bürger ausgezahlt werden. Dies sollte ohne Bedürfnisprüfung und in existenzsichernder Höhe geschehen. Das wäre dann auch eine finanzielle Fundierung für Unternehmertum, Soziales Engagement und Social Entrepreneurship.
Im Jahr 2008 beliefen sich die Lohnsteuereinnahmen als größtem Einzelposten der Einkommensteuer auf 140 Milliarden Euro, die Steuereinnahmen aus der Mehrwertsteuer auf etwa 180 Milliarden Euro. Sie könnten auch fragen: Mit welcher Rechtfertigung enthalten wir uns als Gemeinwesen einen Freibetrag für denjenigen Steuerposten vor, über den wir am meisten für die Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur aufkommen?

Weitere Informationen zum Thema:

Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Szyperski
„SYLTER RUNDE – individuelle Gesprächskreise“

www.unternimm-die-zukunft.de
bedingungsloses Grundeinkommen und Konsumsteuer

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4 Comments »

  1. Die grundsätzlichen Überlegungen von Prof. Werner und Prof. Szyperski sind interessant. Einen steuerlichen Freibetrag für das Existenzminimum einzuführen ist sinnvoll. Ist der Steuerfreibetrag nicht abzugsfähig, weil keine Steuern aufgrund der Lebens-und Arbeitssituation gezahlt werden können, wird ihm bis zur Höhe dieses Freibetrages sein Existenzminimum als Lebensunterstützung (Bürgergeld) ausgezahlt. Ansonsten gilt der Grundsatz „Keep it simple and stupid!“ Wir brauchen kein dreistufiges Einkommenssteuermodell, sondern ein einstufiges.Prof Szyperski spricht vom „Lebensunternehmer“. Wenn also jeder Bürger ein Viertel seiner Lebensarbeitszeit – also seinen persönlichen Ertrag aus sechs Stunden täglicher Arbeit – (nach Berücksichtigung des Freibetrages) dem Staat zur Verfügung stellt, haben wir die absolute Steuergerechtigkeit und die geringste Steuerbürokratie!
    Cay Baron von Brockdorff, Sophienlust, Holstein in Germany

    Kommentar by cay baron von brockdorff — 31. Oktober 2009 @ 07:41

  2. […] 22.10.2009 Schnelle Frage – schnelle Antwort: Bedingungsloses Grundeinkommen / Verlagsleiter Wolfgang Rogalsk…  Artikel drucken Kommentare […]

    Pingback by Positive Erfahrungen mit einem bedingungslosen Grundeinkommen - Magazin.am-finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 22. März 2010 @ 23:16

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