3. September 2011

Schluss mit dem Stammtischgeschwätz: Selbst denken und gemeinsam handeln als Gebot der Stunde

Wolfgang Rogalskis Wochenendkommentar – ein Plädoyer für das Bandbreitenmodell

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 03.09.2011] Kleine Schritte in die falsche Richtung führen auch in die Katastrophe – früher oder später. An diesem schönen ersten September-Wochenende spüren wir ein Aufflackern des Sommers, aber auch schon den bevorstehenden Herbst. Und wir ahnen, dass dieser Herbst nicht nur ein kalendarischer Zeitrahmen mit typischen Wettererscheinungen sein wird, sondern auch ein Abschied von altem Denken und Jahrzehnten der Erstarrung in der träge gewordenen und mental ausgelaugten Wirtschaftswunderrepublik Deutschland. Aber im Herbst ist keine Zeit mehr zum Lamentieren und Abwarten – es ist eine Zeit der intensiven Vorbereitung auf den kommenden Winter. Also:
Warten wir weiter auf Godot oder begreifen wir endlich, dass die Klassifizierung unseres Gemeinwesens als „Republik“ auch eine Selbstverpflichtung zum unvoreingenommenen Denken und zum engagierten Handeln beinhaltet? Wir können uns weiter an den Stammtischen dieses Landes die Mäuler zerreißen und jammern – oder endlich gezielt eingreifen, so dass nach dem Auflaufen des Staatsschiffes auf den Schuldenberg wir nun die Schäden beheben, gar das Schiff retten und es endlich auf einen zukunftsorientierten Kurs setzen… Den gewaltigen Umbrüchen im Zuge des sich ankündigenden Euro-Desasters sollten wir beherzt entgegentreten und verstehen, dass Krisen neben einer Bedrohung alter Gewohnheiten häufig auch eine Chance zu einem Aufbruch in eine neue Welt mit sich bringen.
Jörg Gastmann hat mit seinem Bandbreitenmodell (BBM) eine faszinierende Lösung anzubieten, die Sozialstaatsidee mit dem freien Wertschöpfungsgedanken in Einklang zu bringen – ich rufe Sie, lieber Leser auf, sich konstruktiv-kritisch damit zu befassen und gerne den von Kritikern vermuteten, aber bis heute nicht dargelegten Fehler dieses evolutionären Wirtschaftsmodells zu suchen und zu finden!
Wenn Sie dann keinen Fehler finden, sollten Sie nicht zögern, sich für die Einführung des BBM stark zu machen. Es benötigt zu seiner Umsetzung nur zwei Gesetze. Ein modifiziertes Umsatzsteuergesetz, das alle anderen – nochmals: alle anderen – Steuergesetze ersetzt. Zudem ist ein neues „Arbeitsplatzprämiengesetz“ zu verabschieden, welches basierend auf dem Umsatzsteuergesetz das eigentliche BBM abbildet.

bandbreiteddp auf YouTube, 03.09.2011
YouTube Preview Image
ddp Wolfgang Rogalski bei Klipp und Klar rbb 01-09-2011

Über das BBM lässt sich das heutige Überangebot an Arbeitskräften in ein Überangebot an Arbeitsplätzen bzw. Anstellungsverhältnissen wandeln. Die Nachfrage auf Arbeitgeberseite wird dadurch gesteigert, dass zusätzliche Mitarbeiter bzw. Angestellte existenziell wichtig werden. Existenzgrundlage der Unternehmen ist ein möglichst hoher Umsatz bzw. Marktanteil, um im Wettbewerb zu bestehen – dafür sind möglichst niedrige Verkaufspreise nötig, auf die der Gesetzgeber Einfluss durch den Umsatzsteuersatz nehmen kann. Also kann der Gesetzgeber auch Einfluss auf die Zahl der Beschäftigten nehmen, indem er den Satz der Umsatzsteuer jedes einzelnen Unternehmens mit dessen Beschäftigungsintensität, d.h. dem Verhältnis von Mitarbeiterzahl zum Umsatz, verknüpft.
Das BBM geht nicht vom ideologisch verklärten Idealmenschen aus, sondern nimmt den Menschen, konkreter den Unternehmer, so wie er ist und wohl auch sein muss, um nach marktwirtschaftlichen Prinzipien wertschöpfend tätig sein zu können. Weil also jeder Unternehmer seinen persönlichen Vorteil sucht und im Wettbewerb auch suchen muss, ist er motiviert, möglichst viele Menschen auf seiner Gehaltsliste stehen zu haben – und dass können auch Studenten, Eltern im Erziehungsurlaub oder Ruheständler sein, die dann freilich nicht im Betrieb tätig sind, sondern für sich selbst, für ihre Familie oder auch für die Gemeinschaft etwas Gutes tun. Sämtliche privatwirtschaftlichen Angestelltenverhältnisse werden finanziell belohnt – je nachdem, wie viele Inlandsmitarbeiter im Verhältnis zum Inlandsumsatz ein Unternehmen beschäftigt, erhält es „Arbeitsplatzprämien“. Diese Prämien werden nicht ausbezahlt, sondern mit einer sehr hohen Umsatzsteuer verrechnet, wodurch der tatsächliche Satz der Umsatzsteuer auf einen niedrigen Wert sinken kann. So kosten die Arbeitsplatzprämien den Staat faktisch keinen Cent.
Wenn also ein Unternehmen in Fernost Billigware auf den deutschen Markt bringen will, kann es sich bei der Einfuhr einem Umsatzsteuersatz von mehreren hundert Prozent ausgesetzt sehen. Ein kleiner mittelständischer Unternehmer aber, der z.B. an seinem deutschen Standort 20 Angestellte hat, darunter zwölf aktive Mitarbeiter und acht Menschen, die heute noch von Transferleistungen abhängig wären, bekäme einen wettbewerbsfähigen Umsatzsteuersatz zuerkannt und könnte seine Preise entsprechend marktkonform kalkulieren.
Damit hätten auch heute als „arbeitslos“ Abgestempelte die Möglichkeit, im Rahmen eines Angestelltendaseins frei von Existenzangst Aktivitäten z.B. zur eigenen Fortbildung oder zur gemeinnützigen Arbeit zu entfalten. Bisher ist es leider so, dass je weniger Menschen ein Unternehmen beschäftigt, es desto billiger seine Produkte anbieten kann – das BBM dreht es um, so dass je mehr Menschen im Verhältnis zum Umsatz ein Unternehmen beschäftigt, desto niedriger seine Preise sein können.
Haben wir endlich den Mut, teuer verwaltete Transferleistungen und die Stigmatisierung sowie Lähmung der bisherigen Empfänger zu überwinden! Lassen wir doch Unternehmer das tun, wofür sie im Grunde in einer sozialen Marktwirtschaft da sein sollten – etwas zu unternehmen, was ihnen und zugleich der Gemeinschaft nachhaltigen Nutzen bringt. Das Bandbreitenmodell wird im Moment allein von der Traditionspartei ddp befürwortet – aber es ist nicht zu spät, selbst zu denken, kritisch zu prüfen und schließlich engagiert in Bund und Ländern zu handeln!

Weitere Informationen zum Thema:

Das Bandbreitenmodell
Einfach nur die Perspektive wechseln…

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 26.10.2010
Warmlaufen für den Wahlkampf: Eine Gründerzeit des 21. Jahrhunderts für Berlin / Dirk Pinnow sprach mit ddp-Spitzenkandidat Wolfgang Rogalski über das Wahljahr 2011

Print Friendly

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

*


 

Powered by WordPress