19. September 2009

Nachfolgeregelung im Mittelstand berührt persönliche Wertvorstellungen

Egoistisches Vermögensverständnis des Vorgängers steht Wertschöpfung des Nachfolgers entgegen

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 18.09.2009] Oft scheint es so, als würde man sich dem Problem der Nachfolgeregelung mit der Wahrnehmung vergangener Dekaden nähern – als ob man zu einem Zeitpunkt „X“ alles anhalten könnte und der übergabereife Betrieb unverändert in die treuen Hände des Nachfolgers gelangt. Ein naiver Trugschluss!
Wir können die Zeit nicht einfrieren. Eine Entscheidung zur Übergabe an einen Nachfolger ist eben eine klare „Ent-Scheidung“ – und Scheiden tut bekanntlich weh! Am Tag der endgültigen Übergabe ist das Unternehmen nicht mehr dasselbe wie am Vortag – ja, und morgen wird es schon wieder anders sein: Ein erfolgreiches Unternehmen ist ein Betrieb, also ein System, in dem rege Betriebsamkeit herrscht, ja herrschen muss – sonst wäre es ja tot!
Die übergebene „Firma“ ist halt mehr als nur der im Handelsregister offiziell eingetragene Name eines Unternehmens oder eine technologische „Black-Box“, die Ausgangsstoffe mit Hilfe leider notwendiger zweibeiniger „Kostenfaktoren“ in marktfähige Produkte wandelt. Unternehmen sind auch soziokulturelle Systeme. Wer also eine Nachfolge nur als juristisches oder finanzierungstechnisches Problem begreift, dessen Lösung ohne Frage im Einzelfall schwierig genug sein kann, lässt die Menschen außen vor. Die Menschen gehören aber in den Mittelpunkt der Betrachtungen!
Wer den Hauch einer Ahnung erlangen möchte, was „Komplexität“ im Kontext von Übergabeprozessen bedeutet, sollte sich von der Fokussierung auf die reine KMU-Nachfolgeregelung lösen und sich einen geweiteten Blick auf die Aspekte der Weitergabe in Institutionen und zwischen Personen gönnen:

Foto: GTIV e.V.

Foto: GTIV e.V.

Dr. Breuers ganzheitlicher Blick auf Aspekte einer Weitergabe in Institutionen und zwischen Personen

Zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Übergabeprozesse hat Dr. Franz Breuer das Buch Vorgänger und Nachfolger – Weitergabe in institutionellen und persönlichen Bezügen verfasst, das 2009 in erster Auflage beim Verlag „Vandenhoeck & Ruprecht“ erschienen ist. Dr. Franz Breuer ist Professor am Psychologischen Institut III der Universität Münster. Er wirft einen Blick auf strukturell ähnliche Züge und Muster von Übergaben auch in anderen Kontexten und Situationen, in denen es um Wechsel und Übergänge zwischen Personen und Objekten mit Identitätspotenzial, also um die Weitergabe „persönlicher Objekte“ geht. Dr. Breuer hat mit seinem Buch erstmals eine umfassende und empirisch fundierte Theorie zu diesem Thema entwickelt.


Weitere Informationen zum Thema:


MittelstandsWiki
, 09.08.2009
Unternehmensnachfolge im Mittelstand / Ohne geregelte Übergabe droht die Pleite

DHI, 13.05.2009
Studie über Generationswechsel im Thüringer Handwerk des ifh Göttingen

Handelsblatt.com, 02.05.2008
Familienunternehmen / Firmen suchen händeringend Nachfolger

MM MaschinenMarkt, 06.06.2007
Deutsche Bank Research / Mittelstand braucht neue Nachfolgelösungen


Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen
, 09.11.2006
Mittelstand in Deutschland – Statutsbericht der Studie „MIND“

FAZ.NET, 22.05.2002
Mittelstand / 1000 Arten, ein Unternehmen sterben zu lassen

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