23. September 2009

Meditation – Glück ist trainierbar

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Verlagsleiter Wolfgang Rogalski im Gespräch mit Manuela Hackstedt über Besinnung im Business

Manuela Hackstedt, Mentaltrainerin – Dozentin – Autorin, spricht von einem sich in der Entwicklung befindlichen Mega-Trend: Bewusst-Sein in der Wirtschaft. Diese Werteorientierung sei eine ideelle Verbesserung des Einzelnen und steigere damit die Performance auch des Unternehmens.

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 23.09.2009] Verlagsleiter Wolfgang Rogalski (W.R.) erörterte für das Magazin am Finanzplatz Deutschland mit der Mentaltrainerin, Dozentin und Autorin Manuela Hackstedt (M.H.), welche Bedeutung Bewusstsein und Besinnung im Alltagsleben der Unternehmer und Manager haben:

W.R.: Warum ist die Besinnung im Business so wichtig?

M.H.: Wir glauben, dass der tägliche Einsatz, den wir im Beruf und privat bringen, nicht so hoch ist. Aber wir spielen mit dem höchsten Einsatz – mit unserer Gesundheit und somit mit unserem Leben!
Das Leben ist keine Generalprobe und doch sagen wir immer wieder: Bald verändere ich etwas, in Kürze nehme ich mir Zeit für meine Familie und für mich, bald ist wieder Wochenende oder Urlaub…
Meistens geht es aber weiter – bis zum Umfallen. Fast eine Million medikamentenabhängige Arbeitnehmer gibt es. Sehr oft durch Stress und Ängste. Über 30 Prozent der beantragten Berufsunfähigkeiten bei den Versicherern resultieren aus psychischen Themen. Die Schäden in der Wirtschaft und in unserem sozialen System werden immer deutlicher erkennbar. Die Ressource Mensch blutet immer mehr aus. Attention Deficit Trait (ADT) ist eine neue Managerkrankheit. Verbreitet bei bis zu 40 Prozent der Manager. Zu vielen Informationen ausgesetzt, wird der Mensch unkonzentriert, aggressiv, rastlos, unproduktiv und ist nicht mehr in der Lage abzuschalten. Leben im ,Standy-Modus‘. Ruhepausen sind aber für die Kreativität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zwingend nötig!

© MMM+

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Verlagsleiter Wolfgang Rogalski im Gespräch über die Bedeutung der Meditation für Glück und Erfolg

W.R.: Warum sollte die Meditation zum Alltag gehören und wieso sollte man sich die Zeit dafür nehmen?

M.H.: 15 Jahre war mein Zuhause die Finanz-und Versicherungsbranche – Umsatz und Ertrag sind dort immer das oberste Ziel. Jeden Tag die Energie dafür zu finden, ist nicht immer leicht. Sich gegenüber enger werdenden Märkten durchzusetzen erfordert, dass Leistungsbereitschaft, Energie und Freude am Handeln stetig vorhanden ist. Durch das Anwenden der Meditation steigern wir unser Glücksempfinden und dies wissenschaftlich belegt in vielen Studien. Wenn die Menschen wüssten, wie effektiv die Meditation wirkt, wäre sie kein spiritueller Exot, der einigen wenigen vorbehalten ist. Meditation ist eine der ältesten Traditionen der Menschheit. Jahrtausende alt ist das Wissen aus dem Himalaja und wird nun von der modernen Wissenschaft geprüft. Und es zeigt sich, wie sich die meditative Übung neurobiologisch auswirkt.
Meditierende wurden an ein EEG angeschlossen und es traten verstärkt synchrone Gammawellen in verschiedenen Hirnregionen auf, die im 40-Hertz-Rhythmus schwingen, der ,Frequenz der Stille‘. Empfindungen wie Erregung, Schmerz und Leid können der Steuerung durch das Limbische System – u.a. zuständig für die Bewertung von Situationen und Emotionen – entwunden und so deutlich abgemildert werden. So kann Meditation zur heilenden Erfahrung werden, die jedem offen steht. Eine Technik ohne Ideologie, die im Vergleich zum zeitlichen Aufwand einen extrem hohen Nutzen hat. Jeder unternehmerisch denkende Mensch kennt die Wichtigkeit dieser Relation.

W.R.: Für wen kann diese Technik interessant sein?

M.H.: Ein Manager fragte kürzlich: ,Wie erfolgreich muss ich noch werden, bis ich endlich glücklich bin?‘ 70 Prozent der Menschen sind nicht psychisch krank, was nicht heißt, dass sie glücklich sind. Obwohl die Meditations- und Hirnforschung sich noch ganz am Anfang befindet, kann bereits berichtet werden, dass mehr Gelassenheit, das Empfinden von Frieden und ein umfassendes Wohlgefühl sich bei den Meditierenden einstellt – und das bereits nach relativ kurzer Zeit. Dieses Gefühl ist wichtig. Verhandlungen führen wir alle lieber mit Menschen, die wir als glücklich und zufrieden empfinden. Wir deuten daraus einen guten Charakter. Und oft ist dies entscheidend für gegenseitiges Vertrauen und so auch gute Geschäfte.
Hinzu kommt, dass Managementtugenden wie Disziplin, Geduld, Frustrationstoleranz und der Glaube an das Gute immer öfter auch die ,Skills‘ für Erfolg in der Führung sind. Die Meditation fördert diese Eigenschaften. Mentale Stärke kann durch Meditation erreicht werden. Wer meditiert, ist nachweislich kreativer, innovationsfähiger, leistungsstärker und gesünder. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass wir uns auch im Privaten wesentlich ausgeglichener fühlen. Meditation ist also für jeden Menschen eine wunderbare Ergänzung auf dem Weg in sein eigenes Glück. Glück ist somit trainierbar, da das Gehirn trainierbar ist!

W.R.: Was genau passiert bei der Meditation?

M.H.: Wir haben bis zu 80.000 Gedanken täglich. Gedanken und Worte sind weder folgenlos noch grundlos. Eigene Gedanken neutral wahrzunehmen beinhaltet das Training mit Meditation. Wir lernen, dass wir nicht unsere Gedanken sind, genauso wenig wie die Wolken der Himmel sind. Versuchen Sie mal nur an eine Sache zu denken, Herr Rogalski!
Die Meditation hilft uns eine gewisse Zeit, die Achtsamkeit auf nur eine einzige Sache zu richten. Der Neurologe Prof. Wolf Singer stellte fest, dass  sich durch die Meditation verschiedene Gehirnareale synchronisieren, also in ihren Aktivitäten aufeinander abstimmen. Damit verändere Meditation grundlegend die Funktion des Gehirns. Dabei kommt der Geist zur Ruhe.
Mir fällt dazu noch ein schöner Vers ein, den ich an dieser Stelle gerne einbringen möchte:
„Vergleichen wir den Geist mit der Oberfläche des Meeres. Auf dem Meer gibt es immer Wellen, manchmal große, manchmal kleine. Das Ziel von Achtsamkeit besteht nicht darin, die Wellen zu verhindern, sondern die wechselhaften Zustände unmittelbar wahrzunehmen, ohne im unendlichen Strom der Gedanken und Gefühle zu versinken. Wir lernen ,auf den Wellen zu reiten‘.“

W.R.: Wie kann ich mir so ein Meditations-Training vorstellen?

M.H.: Ein Meditations-Training ist eigenständig innerhalb und außerhalb des Unternehmens durchführbar und kann bei anderen Förder- und Weiterbildungsmaßnahmen eingebunden werden. Ein ruhiger und freundlicher Raum oder die Arbeit in der Natur unterstützt das Training. Wir müssen uns nicht den Kopf scheren und ins Kloster gehen. Viele Techniken sind alltagstauglich, wenn sie nach einer guten Anleitung eingeübt sind.
Es gibt Firmen, die den Mitarbeitern die Meditation in wöchentlich Kursen oder auch täglich anbieten, während der Arbeitszeit. Führungskräfte nutzen meist die Einzelsitzung. Die Meditation kann im Rahmen der betrieblichen Gesundheitspolitik ergänzt werden. Gesunde Überzeugungen schaffen gesunde Gedanken – und so gesunde Menschen. Krankenkassen bewerben und unterstützen die Meditation, zahlen tun sie diese leider noch nicht.
„There is no wealth without health“ – Vergil. Nicht umsonst ist dies das Leitmotiv der europäischen Gesundheitsstrategie. Nachhaltig erfolgreich ist, wer mit klarem Verstand, Überzeugung und Energie arbeitet.

W.R.: Welche Ergebnisse kann die Meditation erzielen?

M.H.: Das ist sehr vielschichtig. Da ich mit sehr unterschiedlichen Menschen und Gruppen arbeite, kann ich allerdings zusammenfassend sagen, dass die Energie zurückkehrt, das Bewusstsein für effektives Handeln unterstützt ist, die Abwehr von Krankheit und das Wohlbefinden sich stärkt und die Leistungsfähigkeit gesteigert ist. Ausgeglichenheit und Lebensfreude sowie Selbstwert und Selbstverantwortung erweitern sich ebenfalls. Ich habe Manager, die nach einem ,Burnout‘ motiviert und gesund zurück an ihren Arbeitsplatz gefunden haben. Ebenso Mitarbeiter, die verantwortungsbewusster, effizienter und identifizierter agieren, Verkäufer sind selbstbewusster und erfolgreicher durch neue Wahrnehmung des ,Selbstes‘. Freude macht mir auch die Arbeit im Sport. Die Klienten lernen aus Niederlagen, statt an ihnen zu verzweifeln und visualisieren in der Meditation ihre nächsten Schritte. Partnerschaften, beruflich wie privat, leben wieder auf und entdecken ihre gemeinsamen Ziele neu. Mich persönlich hat es besonders fasziniert, dass es in den USA Gefängnisse gibt, die die Inhaftierten früher entlässt, wenn Sie einen Meditationskurs belegt haben.
Auch die Forschung bestätigt diese Ergebnisse. So hat die Medizinerin Sara Lazar vom Massachusetts General Hospital eine Studie mit 35 Probanden durchgeführt; unter ihnen Anwälte, Journalisten und Ärzte. 20 von ihnen meditierten bereits seit längerem, die anderen 15 Personen hatten mit so etwas nichts am Hut. Die Gehirne der Testpersonen wurden im Kernspintomographen durchleuchtet. Die Meditierenden verfügten über eine auffällig dickere Hirnrinde (Kortex) als die Nichtmeditierer. Unser Gedächtnis sitzt u.a. in der Großhirnrinde. Meditierende sind demnach aufnahmefähiger, können konzentrierter arbeiten und Stressfaktoren besser beurteilen. Die geschärfte Wahrnehmung durch die Meditation macht es uns unmöglich, auf Dauer weiter destruktives Verhalten aufrecht zu erhalten. Auch der Bund Deutscher Internisten gibt ähnliche Nachrichten heraus. Sie beziehen sich auf amerikanische Studien, in denen Meditationsübungen nachweislich den Blutdruck senken und Stress vorbeugen.
,Erfolg‘ beinhaltet das Wort ,F o l g e‘. Wir folgen unserem Denken! Finden wir keine Ruhe im Denken, scheitert der Mensch an sich selbst.

W.R.: Was war Ihr schönstes Erlebnis mit der Meditation?

M.H.: Für mich gehört die Arbeit in der Natur mit zum schönsten Teil. Kraft und Energie unter freiem Himmel auftanken, im Gras sitzen, den Wind fühlen, sich an einen Baum lehnen oder ihn umarmen, dies alles wirkt sehr unterstützend für die Meditation. Wir sind in einer Gesellschaft, in der viel geurteilt und bewertet wird. Der Baum beurteilt uns nicht, er richtet auch nicht über uns. Er ist einfach. Aus diesem Grunde kann man auch mal einen Baum umarmen.
Ich war einmal mit einer Klientin im Wald zum Spaziergang. Wir wollten an dem Tag draußen meditieren. Auf dem Weg zum Meditationsort befindet sich ein riesiger uralter Baum und ich fragte sie, ob wir ihn gemeinsam umarmen wollen. Sie sagte, sehr gerne, aber hatte den Einwand, was ist, wenn uns jemand sieht, man könnte uns ja für irre halten. Hinzu kam, dass wenige Meter hinter uns ein Ehepaar ebenfalls seinen Spaziergang machte. Ich sagte, ,o.k., dann warte du halt, bis das Paar an uns vorbei ist‘, während ich schon am Baum stand und meine Arme um ihn legte, sie lediglich eine Hand an dem 4 m² im Durchmesser starken Stamm. Das Resultat war, dass sich das Ehepaar zu uns gesellte – mit den Worten, „diesen wundervollen Baum umarmen wir mit, außerdem schaffen sie beide das ja gar nicht alleine“. Meine Klientin war mit ihrem Gedanken des ,irre seins‘ also ganz allein im Wald. Wir haben anschließend herzhaft darüber gelacht.

W.R.: Haben Sie eine kurze Meditation für uns, die täglich anwendbar ist?

M.H.:
Ja, eine kleine Achtsamkeitsmeditation, die überall durchführbar ist, beim Auto fahren, in einer Warteschlange, während einer Konferenz, auf dem Weg zur Toilette, zwischendurch am Schreibtisch, wo immer sie mögen:
Atmen sie einfach ein und wieder aus. Fühlen Sie, wie der Atem die Innenwände Ihrer Nase entlang in Ihren Körper fließt. Spüren Sie, wie Ihr Brustkorb sich hebt und senkt. Zählen Sie dann 10 ihrer Atemzüge ganz bewusst, in ihrem eigenen Rhythmus und voller Aufmerksamkeit. Wenn sie sich verzählen, machen sie einfach da weiter, wo sie geglaubt haben gewesen zu sein. Gedanken kommen und gehen dabei, lassen sie sie mit dem nächsten Atemzug ziehen und finden immer wieder ihre Aufmerksamkeit beim Atmen und beim Zählen. Bewerten sie sich nicht dabei.
Alleine diese Übung kann schon für kleine Wunder der Ruhe und Gelassenheit sorgen.

W.R.: Wie überzeugen Sie Unternehmer und andere Menschen noch von der Meditation?

M.H.: Viele Fakten habe ich Ihnen hier ja bereits aufgeführt. Die Wissenschaft und Medizin unterstützt immer mehr die Arbeit mit der Meditation. Aber am liebsten ist mir auch hier wieder eine Geschichte, die ich Ihnen gerne erzählen möchte, speziell, da es in der Finanzbranche ja vorrangig um Geld geht:
„Ein Zen-Meister bot Interessierten an, die Kunst von Geld und Macht zu erlernen. Schüler kamen von überall her, die meisten litten unter ihrer Machtlosigkeit und den erdrückenden Geldsorgen. Nach einem halben Jahr intensiver Meditation fragten sie den Meister, warum er damals Geld und Macht zum Thema gewählt hätte. Für keinen der Schüler war beides nun mehr von Bedeutung. Die Sehnsucht nach Macht über andere, die vielen Wünsche, was noch alles zu haben und erreichen sei, das ganze Verlangen war insgesamt verschwunden. ,Wie hätte ich euch sonst zum Meditieren gebracht?‘ antwortet der Meister.“
Wohlstand und Meditation schließen sich nicht aus. Ein meditierender Mensch braucht auf nichts zu verzichten. Sehr viele erfolgreiche Unternehmer, Politiker und Prominente wenden diese Technik täglich an.
Das Ziel der Meditation darf aber das Glück sein. Wir können noch so reich werden und uns ein wundervolles Bett mit allen Verzierungen, wunderbarer Wäsche und der Ausstattung kaufen, die uns gefällt, aber den Schlaf können wir nicht kaufen. Meditation ist wie eine Fahrschule des Bewusstseins und sie ist salonfähig. Zum Beispiel melden sich zur Zeit wöchentlich im deutschen Business-Portal XING etwa 14 Menschen/Geschäftsleute neu an, die offiziell und für jeden sichtbar, ihr aktives Interesse an Meditation bekunden.

W.R.: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Hackstedt!

© Manuela Hackstedt

© Manuela Hackstedt

Mentaltrainerin Hackstedt sieht Bewusst-Sein als Zeitgeist: Erfolgreiche Top-Manager und Unternehmer, aber auch Politiker und Prominente nähmen sich meist täglich Zeit für die Überprüfung sowie für innere Ruhe – und bestätigten, dass diese zeitliche Investition mehr als zielführend sei

M.H.: Ihnen auch Dank, und ich hoffe, wir verbringen das nächste Mal unsere Zeit meditierend miteinander! (lacht)
Zum Schluss ein dem hinduistischen Mönch und Gelehrten Vivekananda zugeschriebenes Zitat: „Sobald die Wellen aufhören und der See ruhig ist, sehen wir auf den Grund. So ist es mit dem Geist: Wenn er ruhig ist, sehen wir, was unsere wahre Natur ist; wir vermischen unser Selbst nicht mehr mit den Tätigkeiten unseres Geistes, sondern ruhen in unserem eigenen Selbst.“

Weitere Informationen zum Thema:

Manuela Hackstedt
Expertin für Persönlichkeitsentwicklung – Autorin / Business meets Soul – Mentalmanagement

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1 Kommentar »

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