13. Juli 2010

Lufthansa: Null-Lohnrunde für 22 Monate

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Mitarbeiter sollen in Zukunft noch mehr von Boni profitieren

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 13.07.2010] Die größte europäische Fluggesellschaft, Lufthansa, hat es im Moment nicht gerade leicht – zuerst die Wirtschaftskrise, die bewältigt werden musste, dann die mühsam abgewendeten Streiks von Piloten und Flugpersonal und schließlich noch finanzielle Einbußen in zweistelliger Millionenhöhe durch die Vulkanasche.
Nachdem es außerdem keine staatliche Förderung für den Bau neuer Flugzeuge gibt, ist es kein Wunder, dass die Fluggesellschaft mit dem Kranichlogo da den Sparstift ansetzen und den Gürtel enger schnallen muss. Schon in den letzten Jahren hatte Lufthansa Mühe, sich gegenüber der immer stärker werdenden Konkurrenz der Billig-Airlines durchzusetzen und auch weiterhin in der Gewinnzone zu fliegen. Nun einigte man sich schließlich mit der Arbeitnehmergewerkschaft auf eine Null-Lohnrunde die fast zwei Jahre, genauer gesagt 22 Monate lang dauern wird:
Die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband der Lufthansa teilten diesen Umstand in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Die rund 50.000 Mitarbeiter der Lufthansa erhalten im Gegenzug für ihren Verzicht die Option, künftig vermehrt an Bonuszahlungen beteiligt zu werden, außerdem werde die firmeninterne Altersteilzeit besser geregelt und seitens der Firmenleitung wurde versprochen, künftig weniger Leasingkräfte einzustellen. Hauptsächlich betroffen von dem Verhandlungsergebnis sind die am Boden beschäftigten Mitarbeiter von Lufthansa. Die Konzernleitung ist mit dem Ergebnis genauso zufrieden wie die Mitarbeitervertretung und die Gewerkschaft Verdi. Rund fünf Verhandlungsgänge waren notwendig, bis sich die Parteien endlich auf die Kompromisslösung einigen konnten. Sprecher der firmeninternen Gewerkschaft sowie von Verdi betonten, dass das Verhandlungsergebnis ein großer Erfolg sei, schließlich seien von der Konzernleitung anfangs viel drastischere Schritte wie Beschneidung der Tarifverträge geplant gewesen, dies hätte man erfolgreich verhindern können. Laut Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer, der auch gleichzeitig das Amt des Arbeitgeberverbandes Luftverkehr innehat, sei die Null-Lohnrunde wichtig für Lufthansa, um in schwierigeren Zeiten, in denen am Markt hart gekämpft werde, die Vorreiterrolle weiter behalten zu können.
Die konkreten Details der Verhandlungen sehen folgendermaßen aus: Die ursprünglich nur bis Ende 2010 geplante Nullrunde wird bis Dezember 2011 verlängert. Die bei Lufthansa übliche Einmalzahlung, wie sie beispielsweise für das Jahr 2011 geplant ist, ist von der neuen Vereinbarung allerdings nicht betroffen. Rund zwei Prozent des Jahresgehalts erhalten Lufthansa-Mitarbeiter als jährliche Sonderzahlung; verdient man etwa 50.000 Euro im Jahr, so liegt die Vergütung bei etwa 1.000 Euro. Im Vergleich mit anderen internationalen Konzernen ist dies noch relativ wenig, man sei jedenfalls froh, das die Bonuszahlungen nicht von den Einsparungen betroffen seien. Die Mitarbeiter von Lufthansa sollen in Zukunft noch mehr von Boni profitieren, genaue Details wurden allerdings noch nicht bekannt gegeben.
Die firmeninterne Altersteilzeit wird ebenfalls neu strukturiert, vor allem Mitarbeiter im Schichtdienst werden nach der neuen Regelung eine Vorzugsbehandlung erhalten. Die Null-Lohnrunde gilt im Übrigen auch für die Lufthansa-Piloten – diese hatten sich schon im Vorfeld über ihre eigene Gewerkschaft „UFO“ mit der Firmenleitung geeinigt; auch die Piloten verzichten für rund 22 Monate auf eine Gehaltssteigerung zugunsten des Konzerns. Sollten manche Mitarbeiter mit den Vereinbarungen nicht einverstanden sein, so haben sie noch bis zum 28. Juli 2010 Zeit – bis dahin gilt eine Einspruchsfrist für beide Seiten, Mitarbeiter und Konzernleitung. Aber nachdem die Gewerkschaften das Verhandlungsergebnis akzeptiert haben, dürfte auf die Firmenleitung kaum noch nennenswerter Protest zukommen.

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