Missbrauch von Repo-Geschäften
Der „Wirtschaftskrimi“ um Lehman Brothers gehe in eine neue Runde – einem umfassenden Prüfbericht zufolge sei die US-Investmentbank bereits Wochen vor ihrem Kollaps im September 2008 zahlungsunfähig gewesen. Doch das Wall-Street-Institut habe seine Probleme mit Bilanztricks kaschiert und so Anleger, Geschäftspartner und Aufsichtsbehörden in die Irre geführt, berichtete SPIEGEL ONLINE am 12.03.2010:
Zu diesem Ergebnis komme ein 2.200 Seiten starker Untersuchungsbericht. Er sei im Februar 2010 fertiggestellt und nun am 11. März 2010 vom zuständigen Insolvenzrichter für die Öffentlichkeit freigegeben worden.
Chef-Ermittler Anton Valukas schreibe in dem Papier, dass die Investmentbanker mit geschickten Buchungen einen Teil der Risiken aus den Büchern habe verschwinden lassen. „Lehman“ hätte den Großteil des eigenen Geldes in langfristige Anlagen gesteckt. Um für neue Geschäfte flüssig zu bleiben, habe die Bank mit diesen Vermögenswerten als Sicherheit kurzfristige Kredite aufgenommen. Diese sogenannten Repo-Geschäfte seien ein normaler Vorgang in der Finanzwelt. Unter dem Codenamen „Repo 105“ jedoch hätten die „Lehman“-Banker das Verfahren pervertiert – sie hätten für die Kredite höhere Sicherheiten gegeben als üblich. In den Büchern habe es durch diesen Trick nun so ausgesehen, als ob „Lehman“ die Vermögenswerte verkauft hätte. Der Schuldenberg sei damit rein optisch um 50 Milliarden US-Dollar geschrumpft. Tatsächlich habe es sich aber weiter nur um einen Kredit gehandelt, den die Bank manchmal nur Tage später wieder habe zurückzahlen müssen.
Letztlich sei „Lehman“ unter einem Schuldenberg von mehr als 600 Milliarden US-Dollar kollabiert – der bisher größter Zusammenbruch eines Unternehmens in der Geschichte der USA.
Quelle: SPIEGEL ONLINE, 12.03.2010
Originalartikel unter: Finanz-Crash / Lehman Brothers kaschierte Pleitegefahr mit Bilanztricks
Weitere Informationen zum Thema:
THE WALL STREET JOURNAL, BLOGS, 11.03.2010
Lehman Brothers: Here Is a Copy of the Court Examiner’s Report
Magazin.Am-Finanzplatz.de, 15.09.2009
Kritik an der Wall Street: Obama zum Jahrestag der Lehman-Pleite / Appelle des US-Präsidenten erreichen Finanzmarkt-Zocker nicht
sunnydyl auf YouTube, 10.09.2009
Lehman Brothers Bank pleite


Lehman Brothers – 2.200 Seiten Untersuchungsbericht und geschönte Bücher…
Wurde bei der US-Investmentbank getrickst, bevor sie im September 2008 unterging? Dies ist die Frage, mit der sich der Kongressausschuss in Washington befassen muss. Wie viel hat der ehemalige Chef von Lehmans, Richard Fuld, gewusst?
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Trackback von Finanznachrichten.info — 20. April 2010 @ 11:10