22. Oktober 2010

Kostenerstattung: vzbv, VdK und AOK-Bundesverband warnen vor verhängnisvoller Fehlentwicklung zu Lasten der Patienten

Trend zur Behandlung unter Ertragsgesichtspunkten statt gesundheitlicher Notwendigkeit droht

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 22.10.2010] Für den verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sind die Pläne der Bundesregierung zur Ausweitung der Kostenerstattung im Gesundheitswesen. ein „tiefer Griff in die Tasche der Versicherten“. Diese Kritik teilen der Sozialverband VdK Deutschland (VdK) und der Vorstand des AOK-Bundesverbandes. Diese Organisationen fordern daher die Bundesregierung auf, die geplante Gesetzesänderung aufzugeben und den Verbraucher vor dieser Kostenfalle zu schützen:
Die Pläne der Bundesregierung zur Kostenerstattung bedeuteten, dass mehr gesetzlich versicherte Patienten ihre Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte zunächst selbst bezahlen und sich danach den Rechnungsbetrag von ihrer Krankenkasse erstatten lassen würden – was zunächst so harmlos anmutet, ist aber für Verbraucher höchst folgenreich, denn der Arzt rechnet dann jede einzelne erbrachte Leistung nach der privatärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) mit 2,3-fachem Satz ab. Der Arzt bekäme also mehr als das Doppelte der bisherigen Einnahmen! Die Kasse darf dann dem Patienten bei Anwendung der Kostenerstattung aber nur den gesetzlich festgelegten Betrag erstatten – so könnten hohe Differenzbeträge von mehr als 50 Prozent entstehen, auf denen der Verbraucher letztlich sitzen bliebe.
Im Vergleich zur GKV liefen den Privaten Krankenkassen die Kosten auf dramatische Weise davon – sie müssen ihren Versicherten von Jahr zu Jahr immer höhere Prämien in Rechnung stellen. Einen Grund dafür sieht der vzbv darin, dass Ärzte Privatpatienten nicht nur unter gesundheitlichen, sondern auch unter Ertragsgesichtspunkten behandeln – zulasten der Versicherten. Diese Entwicklung droht dann mit der Kostenerstattung auch den gesetzlich Versicherten.
Es ist ein massives Drängen der Patienten in die Kostenerstattung für zunächst ein Quartal zu erwarten, um bei der Terminvergabe in der Arztpraxis bevorzugt zu werden. Denn wer sich gegen dieses Abrechnungsverfahren entscheidet, hätte dann wohl das Nachsehen und müsste sich bei manchen Ärzten auf längere Wartezeiten einstellen.
Befragungen zeigten zudem, dass bisher Privatversicherte im Gegensatz zu gesetzlich Krankenversicherten deutlich häufiger den Eindruck hätten, dass bei ihnen nicht notwendige Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt würden. Der vzbv fürchtet, dass dieses Risiko für Verbraucher, die für die Vergütung der ärztlichen Leistung Kostenerstattung optieren, stark ansteige.
Um die Transparenz im Gesundheitswesen zu erhöhen, sprechen sich die drei Verbände dafür aus, das Instrument der Patientenquittung fortzuentwickeln. Diese gibt es seit 2004 auf freiwilliger Basis und weist Leistung und Kosten einer Behandlung aus.

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