9. Mai 2012

Großraum Berlin braucht ein schlüssiges Gesamtkonzept für ein Flughafensystem BER

Filed under: Aktuelles,Politik & Gesellschaft — Schlagwörter: , , , , , — dp @ 23:38

Gedanken von Dipl.-Ing. Dirk Pinnow zur Blamage des neuen Hauptstadt-Flughafens

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 09.05.2012] Sollten nun tatsächlich originär Sicherheitsaspekte zur Verzögerung der Eröffnung des neuen Großflughafens „Willy Brandt“ geführt haben, wäre diese Entscheidung trotz aller wirtschaftlichen Implikationen sogar sehr zu begrüßen, denn die Brandkatastrophe auf dem Düsseldorfer Flughafen von 1996 sollte eine Mahnung sein und bleiben. Dass Großprojekte nicht termingerecht fertig werden, ist ja nichts Besonderes – auch die Eröffnung der Elbphilharmonie Hamburg ist z.B. noch offen… Es geht bei dem neuen, komplett im Land Brandenburg gelegenen Berliner Flughafen um etwas ganz Anderes – bei diesem Projekt wurden und werden eine falsche Standortwahl, ein falsches bzw. fehlendes Luftverkehrskonzept für die Region und der falsche Zeitraum in unglücklicherweise Weise kombiniert!
Nun also Ikarus? Schon die ehemalige Projektbezeichnung „BBI“ war peinlich, denn dieses Buchstabenkürzel ist der IATA-Code der Flughafens von Bhubaneswar an der Ostküste Indiens. Dann bekam der Popanz der Eier legenden Woll-Milch-Sau, Single-Airport Berlin-Brandenburg, das Kürzel BER, welches zuvor noch das gesamte Berliner Flughafen-System (also SXF, THF und TXL) umfasste. Engstirnig wird alles auf eine Karte gesetzt – dabei müsste es doch für den Großraum Berlin um einen ganzheitlichen Ansatz gehen! London etwa leistet sich aus gutem Grund mehrere Flughäfen mit unterschiedlichen Aufgaben (City/Docklands, Gatwick, Heathrow, Luton, Stansted sowie u.a. Ashford, BigginHill, Northolt und Southend), geht es doch nicht allein um Fragen der Quantität (d.h. Passagier- und Frachtaufkommen) sondern eben auch der Qualität (d.h. Zweck und Kundenstruktur) sowie der Sicherheit (d.h. Verfügbarkeit und Funktionalität). Liegt Schönefeld-Süd z.B. im Nebel oder stellen sich je zwei Demonstranten auf die Zu- und Abfahrt des neuen Flughafens, ist die deutsche Hauptstadt evtl. für Stunden nicht mehr aus der Luft erreichbar… Berlin muss aber unabhängig von Wettereinflüssen, technischen Problemen oder Behinderungen durch Demonstrationen bzw. Großveranstaltungen rund um die Uhr aus der Luft erreichbar sein! Daher kann ein einziger Flughafen niemals ausreichen – die törichte Entscheidung gegen den Flugplatz Sperenberg mit größerem Ausbaupotenzial und die stadtnahe Lage des neuen Standortes Schönefeld-Süd mit seiner Flugrouten-Problematik lassen erst recht keinen Fokus auf nur diesen neuen Flughafen zu!

Es gibt viele gute Gründe, die für ein abgestimmtes, eng vernetztes Berliner Flughafen-System (BER) sprechen:

  1. Aufgabenteilung
    Der 24-Stunden Interkontinental-, Transit- sowie Cargo-Verkehr, der Europa- und Inlandsverkehr (Charter und Linie), der Bedarfs- und Privatverkehr nebst Flugbereitschaft der Bundesluftwaffe benötigen eine spezifische Infrastruktur, die ein einziger Flughafen allein nicht bieten kann. Jeder Flughafen/Flugplatz im Großraum Berlin sollte einen Aufgabenschwerpunkt bekommen.
  2. Sicherheit und Reduzierung der Umfeldbelastung
    Wird ein Flughafen ständig an der Kapazitätsgrenze betrieben, steigt die Gefahr, dass durch die permanente Überlastung von Mensch, Organisation und Technik Krisenfälle auftreten. Durch eine intelligente Verkehrssteuerung ließe sich einer schädliche Beanspruchung an einem Standort begegnen. Gleiches gilt für die Belastungen des Umfeldes durch Lärm und Abgase: Da die meisten modernen Stadtmenschen mobil sein und schnellen Anschluss an Verkehrsknotenpunkte haben wollen, sollte die Belastung nicht konzentriert, sondern verteilt werden.
  3. Wirtschaftsmotor
    Die Berliner Flughafen-Frage ist aus der Soll- und nicht der Ist-Perspektive zu betrachten. Berlin-Brandenburg hätte die Chance, auch als weltweit geachteter Standort der Luftverkehrstechnik eine bedeutende Rolle zu spielen und vielen auch bisher arbeitslosen Menschen in der Region mit unterschiedlicher Qualifikation wieder Arbeitsplätze zu bieten. Die Ansiedlung von Logistikunternehmen und Betrieben mit Weltmarktbedeutung würde zudem die Wirtschaftskraft Berlins insgesamt stärken.

Zu guter Letzt der banale Hinweis: Auch entwidmete Liegenschaften ehemaliger Flughäfen verschlingen Geld für die Instandhaltung. Bisher gibt es jedenfalls für Tempelhof und Tegel keine wertschöpfenden Alternativkonzepte.

Weitere Informationen zum Thema:

PINNOW & Partner, 20.04.2008
Berlin entscheidet sich – Ikarus oder Phönix / Der Volksentscheid am 27. April 2008 zwischen Mittelmaß und Metropole

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1 Kommentar »

  1. Solche Nieten in Nadelstreifenanzug des Fluchhafens Schönefeld BER planen auch den Schallschutz hier wo nichts stimmt. Kein Wunder das hier keiner unterschreibt! Denn der Schallschutz steht erst zu 5 Prozent.

    Scheint wieder eine Menge Geld in die eigene Tasche geflossen zu sein, daß man später wieder für die ganzen Sexpartys braucht.

    „Wir haben die besten Experten für unseren Flughafen“. – Ja vielleicht im Geldkassieren. Politiker sind verärgert – die Hohlköpfe sind doch dafür verantwortlich. Wenn andere so ihr Geschäft führen würden wie diesen Flughafen, müssten wie wohl frühzeitig Insolvenz anmelden.

    Fam. Wegner, Mahlow.

    Kommentar by Fam. Wegner Mahlow — 10. Mai 2012 @ 09:33

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