8. Juni 2010

Goldrausch – Das war nur ein Probedurchlauf

Dirk Pinnow für Magazin.am-Finanzplatz.de im Gespräch mit Olaf Görgler vom Gold Silber Kontor in Berlin

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 07.06.2010] Für das Magazin am Finanzplatz Deutschland sprach Dirk Pinnow (D.P.) mit dem Geschäftsführer der Gold Silber Kontor GmbH in Berlin, Olaf Görgler:

D.P.: Herr Görgler, im vergangenen Monat wurde von einem Käuferansturm auf die deutschen Edelmetall-Händler berichtet, der zu Lieferengpässen und Bestellannahmestopps führte. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Görgler: Der Mai war tatsächlich sehr turbulent für uns. Wir hatten einen verstärkten Andrang in unserem Ladengeschäft und mussten teilweise mit Bestellungen und Vorabzahlung arbeiten. Die Bestellungen wurden bis auf ganz wenige Ausnahmen innerhalb von fünf Werktagen abgearbeitet. Das heißt, wir waren durchgängig lieferfähig!

D.P.: Wovon hängt diese Lieferfähigkeit ab – haben Sie ein so großes Lager?

Görgler: Nein, aus Sicherheitsgründen halten wir nur den versicherten Metall-Bestand vor. Ansonsten kauften wir im Zwei-Tages-Rhythmus bei unserem Hauptlieferanten nach. Trotz der erheblichen Bestellmengen konnte der uns ohne Verzögerung beliefern.

D.P.: Ist es indiskret zu fragen, wer Ihr Hauptlieferant ist?

Görgler: Nein, denn das ist kein Geheimnis, wenn man unsere Website anschaut. Wir werden von der ‚Valcambi SA‘ aus der Schweiz zuverlässig beliefert. Unser Vertrag mit ‚Valcambi‘ trägt – gemessen an unserem Einzelhändler-Status – exklusiven Charakter, zumal diese Schweizer Raffinerie mit langer Tradition sonst fast ausschließlich für Schweizer Banken arbeitet.

D.P.: Könnte dieser jüngste Run auf die Edelmetall-Händler nicht durch aktuelle Gerüchte um eine überraschende Währungsreform in Deutschland ausgelöst worden sein?

Görgler: Das ist Spekulation! Man sollte nicht wahllos Indizien vermischen und daraus eine gewagte These schmieden, die Menschen orientierungslos macht und stark verunsichert. Natürlich befindet sich unser Finanzsystem in einem äußerst kritischen Zustand. Dabei bedarf es keines Gerüchtes um eine vermeintlich bevorstehende Währungsumstellung, um Gold und Silber zu kaufen! Denn die Verschuldung im System ist bereits heute irreparabel, was früher oder später immer zur Abwertung unseres Geldes, egal ob Euro oder DM, führen muss. Um eine solche Entwertung schadlos zu überstehen, sollte physisches Edelmetall als werthaltige Rücklage für schlechte Zeiten dienen. Und dabei ist es gleichgültig, ob diese schlechten Zeiten in ein paar Wochen oder erst in ein paar Jahren anbrechen. Ich beobachte, dass dieser Zusammenhang immer mehr Menschen klar wird, was sich auf steigende Umsätze auch bei uns auswirkt.

D.P.: Sie meinen also nicht, dass der Run auf Edelmetall während der letzten Wochen eher ein Strohfeuer war, das angesichts der Sparbemühungen der Bundesregierung schnell wieder gelöscht werden könnte?

Görgler: Das war kein Strohfeuer, sondern ein kleiner Goldrausch! Und dennoch war das erst ein Probedurchlauf für die nächsten Runden! Oder glauben Sie ernsthaft, dass sich allein Deutschlands Beitrag zum sogenannten Rettungspaket für Griechenland und Co. durch das Kürzen von sozialen Transferleistungen finanzieren ließe? Von der Tilgung unserer Staatsschulden spricht doch schon niemand mehr, da dies reine Illusion ist.

D.P.: Seit kurzem werden im Internet Anbieter beobachtet, die in ihren Online-Shops Gold zu unglaublich niedrigen Preisen anbieten. Was ist davon zu halten?

Görgler: Grundsätzlich gibt es in Deutschland bankextern mehr Online- als Präsenzhändler. Die Gold Silber Kontor GmbH verkörpert beides. Da wir dem Kundenwunsch nach Diskretion gern Rechnung tragen, fokussieren wir unser Geschäft auf die Präsenz. Mittlerweile erzeugt unser Tafelgeschäft im Laden mit Abstand den größten Umsatz. Für reine Online-Händler entfallen natürlich etliche Fixkosten wie für Miete und Personal. Dies erlaubt ihnen, immer wieder Sonderaktionen anzupreisen, wo sie im Verkaufspreis unter unseren Abgabepreisen liegen. Letztlich müssen sie sich als Händler entscheiden, ob sie über den Preis oder die präsente Beratungsqualität gehen! Etwas anderes sind unseriöse Anbieter, die mit absolut unrealen Preisen ahnungslose Schnäppchenjäger auf ihr Portal locken. Es sollte den gesunden Menschenverstand schon misstrauisch machen, wenn die Goldunze beispielsweise zum halben Preis als woanders üblich, angeboten wird.

D.P.: Abschließend die Frage, was Sie dem ‚Otto-Normalanleger‘ aktuell empfehlen würden, der beabsichtigt, Edelmetall zu kaufen?

Görgler: Die Zeiten für eine Alibibeimischung von Gold in das Standarddepot sind vorbei! Angebracht scheinen heute zwischen 20 und 35 Prozent Edelmetallanteil am liquiden Vermögen. Optimisten sollten eher bis zu 50 Prozent gehen, wobei Gold hier einen geringeren Anteil ausmachen sollte, da beispielsweise Silber, aber auch Platin und Palladium viel interessantere Perspektiven besitzen. Bei kleineren Kaufsummen sollten gängige Goldeinheiten und Silberunzen für Zuhause erworben werden. Größere Silberkäufe können über unser Partnerunternehmen in der Schweiz sicher als Alleineigentum deponiert werden.

D.P.: Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Görgler!

Weitere Informationen zum Thema:

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 09.11.2009
Sicherheit in der Finanzkrise: Gold und Silber als die ultimativen Depotanker / Dirk Pinnow für Magazin.am-Finanzplatz.de im Gespräch mit Finanzplaner Dietmar Wilberg über Kaufkraftspeicherung

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2 Comments »

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