2. Januar 2010

Gefälschte Eine-Million-Dollar-Scheine: Geplatzter Traum vom großen Deal

493 Noten zum angeblichen Nennwert von 493 Millionen US-Dollar sichergestellt

Er habe vom Leben eines Millionärs geträumt. Er, ein ehemals durchschnittlich erfolgreicher Provinzanwalt, habe nicht länger nur zuschauen wollen, wenn andere sich an den ganz großen Deals “gesundgestoßen” hätten. Doch Ralf H. wohne jetzt wieder bei seinen Eltern. Ende Januar 2010 werde er sich vor dem Vorarlberger Landesgericht Feldkirch verantworten müssen. Er und sein Kumpan Dietmar B. seien von der österreichischen Justiz angeklagt wegen versuchten schweren Betruges und Besitzes von falschen Geldscheinen, berichtete SPIEGEL ONLINE am 28.12.2009:
Vor fast einem Jahr seien die beiden in einer Bank im Kleinwalsertal festgenommen worden. Das Duo solle dort versucht haben, 202 Millionen Dollar Falschgeld einzutauschen. Weitere falsche 291 Millionen Dollar habe die Polizei in einem Koffer der beiden gefunden.
Nominell sei das einer der größten Fahndungserfolge, den europäische Polizeiorgane im Kampf gegen falsche US-Noten je hätten erzielen können. Von einem “strategischen Ermittlungscoup” habe freilich nicht mal die österreichische Kripo sprechen wollen – dazu habe es den Angeklagten an Professionalität gemangelt.
Vielmehr dürfte der Prozess in Feldkirch ein Lehrstück darüber werden, wie in Zeiten der Gier auch kleine Leute das schnelle Geld suchten; wie sie glaubten, mit “Schrottpapieren” und ein bisschen Schlitzohrigkeit zu Reichtum kommen zu können; und wie sie dabei ihre Existenz ruinierten.
“Die Sache”, so nenne Ralf H. im Rückblick seine Hoffnung auf den maximalen Reibach, beginne mit einem unangekündigten Besuch im September 2008. Eines Nachmittags seien zwei Männer in sein Büro gekommen.
Hendrik van den B. stelle sich als niederländischer Geschäftsmann vor. Der andere sei Dietmar B. aus Essen. Sie kämen auf Empfehlung eines ehemaligen Mandanten, schmeichelten die Besucher. Ralf H. möge ihnen doch bitte einen Kaufvertrag aufsetzen; es gehe um historische Wertpapiere, unter anderem US-amerikanische Silberzertifikate. Diese fast wie gewöhnliche Dollarscheine aussehenden Noten seien nie als herkömmliches Zahlungsmittel eingesetzt, sehr wohl aber früher zwischen Banken gehandelt worden – und angeblich noch immer sehr wertvoll. Ralf H. habe von Devisengeschäften keine Ahnung. Hendrik van den B. überlasse ihm eine Note, damit dieser sie überprüfen könne.
Ralf H. scanne den Schein ein und verschicke ihn per Mail an verschiedene Bekannte. Von einer Angestellten der Privatbank Julius Bär erhalte er prompt die Antwort, die Papiere seien wertlos. Doch er glaube der Auskunft nicht – wolle ihr nicht glauben. Das Geschäft seines Lebens dürfe nicht vorbei sein, ehe es überhaupt begonnen habe.
Das österreichische “Nationale Analyse Center” (NAC) habe die 493 bei Ralf H. und Dietmar B. gefundenen Scheine untersucht. Es handele sich bei 295 ursprünglich um Ein-Dollar-Noten. Fälscher hätten den Nennwert der Noten auf eine Million Dollar erhöht, indem sie sechs Nullen hinzugefügt hätten. Das sei sehr aufwändig und professionell gemacht worden, urteilten die Spezialisten. Die übrigen 198 “Eine-Million-Dollar”-Papiere seien laut NAC komplette Fälschungen.
Dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden sei das Phänomen der “Eine-Million-Dollar”-Scheine wohlbekannt. In Deutschland seien sie seit 2003 immer häufiger aufgetaucht. Sie würden vorwiegend mit imitierten Echtheitsbescheinigungen bei Geschäftsbanken zum Umtausch vorgelegt.

Quelle: SPIEGEL ONLINE, 28.12.2009
Originalartikel unter: Kriminalität / Das schnelle Geld

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen



 

Powered by WordPress ( WordPress Deutschland )