11. November 2009

G20 ignoriert krisenfördernde globale Ungleichgewichte

Abgelegt unter: Aktuelles, Politik & Gesellschaft — Tags:, , , , , — dp @ 23:55

Dollar-Yuan-Kopplung: US-Ökonom Nouriel Roubini warnt vor Mutter aller Carry Trades

Während der jüngste Crash ja eigentlich schwer genug gewesen sein sollte, um die Märkten vor übermäßiger Euphorie zu bewahren, sei das Gegenteil der Fall, schrieb Rainer Sommer für TELEPOLIS am 11.11.2009:
Mit ihren Versuchen, die Krise zu überwinden, verursachten die Regierungen und Notenbanken der G20-Staaten bereits wieder genau die Euphorie, die vor kaum einem Jahr in den fast völligen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems geführt habe.
Mit keinem Wort erwähnt worden seien die globalen Ungleichgewichte, die vielleicht den wichtigsten einzelnen Beitrag zum entstehen der Krise geleistet hätten, namentlich die Bretton Woods II genannte symbiotische Beziehung zwischen China und den USA. Bekanntlich kaufe China seit Jahren US-Anleihen, um die fixe Bindung der eigenen Landeswährung an den Dollar sicherzustellen, und finanziere damit gleichzeitig die China-Importe der USA. Die Folge sei die von den USA offiziell stets heftig kritisierte Dollar-Bindung des Yuan.
Die Lasten dieses Arrangements hätten nicht von China und die USA, sondern vor allem von die Staaten zu tragen, deren internationale Wettbewerbsfähigkeit unter der steten Unterbewertung des Dollar-Yuan-Währungsverbunds leide; derzeit also vor allem von Euro-Europa und den anderen Hartwährungsländern.
Angesichts der weltweit vorliegenden Nullzinsen bleibe diesen Ländern nur die Möglichkeit, gleichfalls Dollars zu kaufen, um die eigene Währung zu drücken, oder sie müssten zusehen, wie ihre Exporteure immer mehr ins Hintertreffen gerieten und ihr Inlandsmarkt von billigen ausländischen Gütern überschwemmt werde.
Gleichzeitig ermögliche erst die chinesische Finanzierung den USA die anhaltende Niedrigzinspolitik der US-Notenbank. So könne sie die monetären Schleusen offen lassen, was inzwischen die “Mutter” aller Carry Trades zur Folge habe, wie der US-Ökonom und bewährte Krisenprophet Nouriel Roubini gewarnt habe. Während Rubini einen baldigen Crash für unvermeidlich halte, blicke auch der IWF mit Besorgnis auf die enormen globalen Preisanstiege bei allen als riskant geltenden Finanzanlagen und vermute gleichfalls, dass die niedrigen Dollarzinsen dazu einen gewichtigen Beitrag geleistet hätten.

Quelle: TELEPOLIS, 11.11.2009
Originalartikel unter: Mit Vollgas zum nächsten Crash

Weitere Informationen zum Thema:

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 03.11.2009
Carry Trades: Währungslotto heizt Abwärtsspirale an / Mehr als 95 Prozent des Devisenhandels dient der Spekulation

1 Kommentar »

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