11. November 2009

Für das 21. Jahrhundert fehlt bisher ein vernünftiges ökonomisches System

Gegenüberstellung von Kapitalismus und Sozialismus hat gesellschaftlichen Fortschritt gelähmt

Der US-amerikanische Regisseur Michael Moore habe das Unheil der
Finanzkrise kommen sehen. Jeder hätte es sehen können, denn schon Monate vor dem Crash seien Menschen auf die Straße gesetzt worden, seien die Immobilienzinsen bedrohlich gestiegen, die Zahl der Bankrotte in den USA ebenso auf ein Allzeithoch geklettert wie der Schuldenstand der Kreditkartennutzer, so Moore im Interview mit Wolfgang Höbel und Daniel Sander für SPIEGEL ONLINE am 09.11.2009:
Die wohl größte Überraschung in Moores neuem Film seien laut SPIEGEL mehrere Geistliche und sogar ein katholischer Bischof, die dort den Kapitalismus verdammten und behaupteten, er passe nicht mit dem Christentum zusammen. Moore stehe ehrlich zu dem, was er empfinde angesichts eines Systems, das zutiefst unfair sei und unmoralisch und undemokratisch – es sei eine Schande, dass wir den Kapitalismus in seiner vorliegenden Form mit allen Auswüchsen tolerierten, obwohl die meisten Menschen genauso wie er fänden, dass er gegen die wichtigsten ethischen Grundregeln verstoße.
Er respektiere Menschen, die Geld verdienen wollten, hart arbeiteten und das gut machten. Er habe nur etwas gegen “Burschen”, die Geld verdienten mit der Ausbeutung anderer. Wenn zehn Leute an einem Tisch säßen und einer von ihnen sichere sich neun Stücke der Torte und die anderen kriegten nicht mal eins, dann sei das falsch und sollte nicht erlaubt sein.
Er wünsche sich Staatsbanken, die dem Land gehörten, als gemeinnützige Institutionen, die jenen Menschen Geld liehen, die es brauchten. Man habe über ein vernünftiges ökonomisches System für das 21. Jahrhundert einfach noch nicht richtig nachgedacht. Wir seien zu lange gefangen gewesen in der Gegenüberstellung von Kapitalismus und Sozialismus.
Moore habe nicht gewusst, dass es so viele hochbegabte junge Leute gebe, die direkt in die Finanzwelt gingen – die besten Ingenieure, Physiker, Mediziner und Mathematiker benutzten dort ihr tolles Gehirn, um sich “neue teuflische Finanzprodukte” auszudenken.

Quelle: SPIEGEL ONLINE, 09.11.2009
Originalartikel unter: Kino / “Die Bestie muss sterben”

Weitere Informationen zum Thema:

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 29.10.2009
Auch der Kapitalismus braucht ein Ordnungsprinzip – das der Klugheit / 13 Thesen des Jesuitenpaters Christoph Wrembek

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