23. Juli 2010

Finanztest – blamiert ja, aber wer?

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Ein Kommentar von unserem Gastautor Lutz Krause

[Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Gold Silber Kontor GmbH, 23.07.2010] Die August-Ausgabe 2010 von „Finanztest“ hatte wieder einmal die Beratungsqualität der Banken auf dem Prüfstand und titelte desillusioniert „Die Blamage geht weiter“. Unterlegt mit einem überdimensionierten Smiley auf der Titelseite werden so dem Leser zwei Botschaften vorab übermittelt: Die Bankberatung hat sich nicht verbessert und eigentlich hätten wir nach den vorangegangenen Kritiken mehr erwartet!
Ja, das mit den Erwartungen in unserem Alltagsleben ist so eine Sache – selten scheinen sie sich zu erfüllen. Warum nur? Schauen wir uns doch einmal diesen aktuellen Test genau an.
Als „sehr gute Lösung“ findet folgende Anlagemischung für 35.000 Euro mit einem Horizont von zehn Jahren die Gnade der „Finanztester“:  Zwei Drittel der Summe auf Tagesgeld sowie Sparbuch und das letzte Drittel verteilt auf eine Anleihe, einen offenen Immobilienfonds und einen Aktienfonds!? Nun, ich war gespannt, was angesichts dieser pfiffigen „Finanzstrategie“ dann erst das Prädikat „weniger gute Lösungen“ bekommt! Dort wurde dann – teilweise zu recht – die einseitige Anlage in offene Immobilienfonds, Aktienfonds oder gar wie bei der SEB in ein einziges „Expresszertifikat“ auf eine Einzelaktie gerügt!
Wahrlich, für einen antizyklisch strukturierten Investment-Profi liest sich das wie ein Gruselmärchen. Jedoch nicht nur die bei diesem Test durchgefallenen, sondern ALLE Lösungen! Vielleicht werden Sie jetzt als skeptischer und gläubiger „Finanztest“-Leser die Stirn runzeln und sich fragen, warum ich dies behaupte!? Gut, dann kommen wir zur Auflösung des Knotens. Und damit dies für Sie hilfreich oder gar inspirierend ist, formuliere ich einige Fragen, über die es sich lohnt, nachzudenken (Auflösung am Schluss des Artikels):

  1. Wie bezeichnen die Medien die für viele längst spürbare Krise seit 2007?
  2. Welche Finanzmarktsegmente sind angesichts der Fastpleite Griechenlands besonders stark unter Druck geraten?
  3. Warum ist es eine gute Idee, viel Geld im Tagesgeld und auf Sparbüchern mit niedrigem Zins zu parken, wenn der Anlagehorizont zehn Jahre beträgt?
  4. Warum ist es eine gute Idee, Geld in offenen Immobilienfonds anzulegen, wenn der Gewerbeimmobilienmarkt europaweit in die Knie geht und etliche dieser Fonds seit längerem keinen Anteilsrückkauf für Privatinvestoren mehr zulassen?
  5. Warum findet sich kein einziger Bankberater, der eine – zumindest teilweise – Anlage in Realwerte wie beispielsweise Gold und Silber vorschlägt, und warum wird das von „Finanztest“ nicht negativ bewertet?

Das soll genügen, um zu verstehen, dass sich nicht nur die Bankberater blamiert haben, sondern vor allem „Finanztest“!  Brauchen Sie noch einen Beweis dafür? Gut, dann lesen Sie dort unter der Rubrik „Unser Rat“ folgendes: „Sie können sich nicht einfach auf einen Bankberater verlassen. Führen Sie deshalb mehrere Beratungsgespräche und vergleichen Sie die Anlagevorschläge.“ Toll! Wie soll jemand etwas vergleichen, von dem er nichts versteht? Und wie viele Frösche müssen Sie küssen, um einen Prinzen zu finden? Wie Sie an den obigen Beispielen ersehen können, ist es in unserer von Hilflosigkeit geprägten Bankenlandschaft völlig egal, in welchem Glas- und Marmorpalast Sie sich Ihre Lebenszeit stehlen lassen. Alternativ wäre es für den Erhalt Ihrer Ersparnisse ganz sicher vorteilhaft, wenn Sie persönlich die Verantwortung für Ihr Geld übernehmen und sich echtes Investorenwissen aneignen!

Womit wir bei der Beantwortung der obigen Fragen wären:

Zu 1.: Subprimekrise – Bankenkrise – Finanz- und Wirtschaftskrise… Erkennen Sie die Steigerung?
Zu 2.: Der Geldmarkt wird von Schulverschreibungen, auch Anleihen oder Bonds genannt, im Fluss gehalten. Inzwischen werden nicht einmal mehr die als so sicher geltenden Staatanleihen der Bundesrepublik Deutschland – von Griechenland ganz zu schweigen – am Kapitalmarkt abgesetzt… Warum sollten Sie als Kleinanleger diese riskante Lücke füllen?
Zu 3.: Tagesgeld heißt deshalb Tagesgeld, damit man ohne Kündigungsfrist täglich an sein Geld kommt… Wozu soll das gut sein, wenn man zehn Jahre Zeit hat, um das Geld in Substanz und Nachhaltigkeit zu investieren?
Zu 4.: Der kreditinduzierte Immobilienmarkt ist etwas für Kenner und sollte im Kontext mit makroökonomischen Zyklen betrachtet werden… Warum sollten Sie den über Jahre hinweg gierig agierenden Banken helfen, ihre Hypothekenverluste zu stemmen?
Zu 5.: Speziell Edelmetalle – die erste Wahl in Krisenzeiten – passen nicht in das Profitoptimierungskonzept von Banken, da ihr Verdienst gering und in der Regel einmalig ist…

Könnte es angesichts dieser Fakten eine sinnvolle Option sein, 15 bis 30 Prozent ihres freien Vermögens in die ewigen Werte Gold, Silber, Platin und Palladium zu investieren? Oder gehören Sie zu jenen noch fremd gesteuerten Anlegern, die für solch eine zeitgemäße Entscheidung auf die Absolution durch „Finanztest“ warten?

Weitere Informationen zum Thema:

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 03.06.2010
Unterhaltung im doppelten Sinne: Brot und Spiele bis zum bitteren Ende / Ein Kommentar von unserem Gastautor Lutz Krause

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