Feste Wechselkurse könnten plötzlich platzen
Die Ereignisse überschlügen sich in Europa – die schlimmsten Aufstände seit dem Fall des Kommunismus fänden im Baltikum und in den südlichen Balkanstaaten statt. Die Mittelmeerländer, zusammengefasst unter dem Begriff „CubMed“, erlebten den Zusammenbruch ihres Bondmarktes. Die Ratingagentur S&P habe die Schulden Griechenlands als „Schrott“ bewertet. Genauso ergehe es bald Spanien, Portugal, aber auch Irland. Jetzt stelle sich heraus, dass der Euro eine „Schönwetterwährung“ sei, die noch nie einen „Sturm“ ausgehalten habe, heiße es in einem Aufsatz auf der Website STOCK WORLD am 20.01.2009 (Dank für den Hinweis zahlreicher Leser bezüglich des Veröffentlichungsdatums! Er besitzt leider nach wie vor Aktualität. Anmerkung der Redaktion!):
Letzte Woche hätten die Straßen von Riga wie eine „Kriegszone“ ausgesehen – Protestierende, die mit Eisblöcken bewaffnet gewesen seien, hätten das lettische Finanzministerium demoliert, Hunderte versucht, sich Zugang zum Parlament zu verschaffen, welches massive Einschnitte für die Bevölkerung beschlossen habe. Das Vertrauen in die Autorität des Staates sei katastrophal gefallen, so Präsident Valdis Zatlers, der eine Auflösung des Parlaments verlangt habe.
In Litauen habe sich Ähnliches abgespielt. 7.000 hätten gegen die Regierung protestiert. Die Polizei habe Gummigeschosse auf einen Gewerkschaftsmarsch in der Hauptstadt geschossen, Polizeihunde Teilnehmer in den Fluss Wilna gejagt.
Auch vor dem Parlament der bulgarischen Hauptstadt Sofia hätten sich gewalttätige Demonstrationen abgespielt, in dem die aufgebrachten Menschen wegen der hohen Arbeitslosigkeit und Korruption die Fenster des Gebäudes zerstört und Polizeifahrzeuge demoliert hätten.
Alle diese Länder litten unter der „Zwangsjacke“ des Wechselkursmechanismus (ERM2), dem sie beitreten müssten – es stehe so in ihren EU-Verträgen.
Dieser zwangsweise Unterwerfung der ehemaligen Ostblockstaaten unter das monetäre Regime des Westens hätte anfänglich eine massive Überhitzung der Volkswirtschaften bewirkt. So sei etwa das Leistungsbilanzdefizit von Lettland auf 26 Prozent des BIP gestiegen.
Mit Milliarden an geliehenem Geld seien im Osten Blütenträume von einer rasanten Angleichung der Lebensstandards genährt worden. Jahrzehnte der Plan- und Misswirtschaft, so glaubten viele, würden sich durch den EU-Beitritt in Luft auflösen. Und es habe ja anscheinend auch zunächst funktioniert – die baltischen Länder hätten als „Tigerstaaten“ gegolten, weil die Gehälter ebenso explodiert seien wie der Preise und die West-Importe. Die Immobilienpreise in Riga seien zeitweise höher als in Berlin gewesen.
Daraus habe ein unausweichliches Platzen der Blase resultiert. Seit Mitte 2007 seien die Preise für Wohnungen in Riga um 56 Prozent gefallen, die Wirtschaft um 18 Prozent geschrumpft – alleine in den letzten sechs Monaten.
Grossbritannien erlebe die grösste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Alleine in der letzten Woche hätten 40.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Scharen von Mitarbeitern würden entlassen und jeden Tag schlössen Firmen. Die britischen Banken seien faktisch bankrott. Wie schlimm die Lage in Grossbritannien sei, sehe man an der Notwendigkeit der Regierung, ein zweites „Bankenrettungspaket“ im Wert von 50 Milliarden Pfund beschliessen zu müssen – ein Fass ohne Boden.
Der irische Staat werde bald als zahlungsunfähig angesehen, nachdem die Regierung die Anglo Irish Bank mit 73 Milliarden Euro Schulden verstaatlicht habe. In Dublin werde für 2010 mit einer Schrumpfung der irischen Wirtschaft um vier Prozent gerechnet. Das Defizit werde zwölf Prozent des BIP bis 2010 erreichen – „unhaltbar“, sage das Finanzministerium.
Spanien habe 2008 eine Million Arbeitsplätze verloren. Madrid bereite sich auf eine Arbeitslosenquote von 16 Prozent vor – unter der Hand werde aber bereits von 25 Prozent gesprochen.
Das italienische Finanzministerium beobachte jede Bondauktion mit Sorgen und frage sich, wie sie 2010 die 200 Milliarden Euro an Schulden finanzieren solle. Die völlige Überschuldung des Landes wirke wie eine Schlinge, die um den römischen Hals immer enger werde.
Die festen Wechselkurse in der EWU könnten plötzlich platzen – ohne Vorwarnung. Es müssten keine Erschütterungen vor dem „großen Beben“ kommen. Die Investoren schmissen schon lange die Schulden der „ClubMed“-Länder und der anderen „todkranken Patienten“ in den Schoß der Europäischen Zentralbank (EZB), genannt „Repo-Aktionen“ – wertlose Schuldscheine der Länder würden gegen „harte“ Euro eingetauscht, in Billionensummen. Die EZB helfe den europäischen Ländern schon lange mit einer heimlichen Rettungsaktion aus der Krise; es werde aber alles vertuscht. Die Transferzahlungen seien gigantisch, aber dadurch werde die Zerreißprobe nur verschoben – es knirsche jetzt an allen Ecken und Enden.
Quelle: STOCK WORLD, 20.01.2009
Originalartikel unter: Europa steht vor dem Kollaps
Weitere Informationen zum Thema:
Magazin.Am-Finanzplatz.de, 23.01.2010
Bundesrepublik in ihrer fiskalischen und finanziellen Grundstruktur am Abgrund / Dieser Staat wird seine Schulden nie wieder vollständig zurückbezahlen


Der Euro wird seinen 20 Geburtstag nicht mehr erleben. Definitiv nicht!
Kommentar von Stefan G. — 24. Januar 2010 @ 17:51
Der Artikel der Stock World ist vom 20.01.2009 also über ein Jahr alt, kein Grund zur Panik!
Kommentar von leser — 24. Januar 2010 @ 18:48
Freunde – träumt ihr? Der Artikel “Europa steht vor dem Kollaps” war eine Zukunftsvoraussage vom 20.01.2009. Wie wäre es, wenn ihr erst mal hinschaut?
Kommentar von gast — 24. Januar 2010 @ 19:09
Der Artikel der Stock World ist von 2009, also über ein Jahr alt!
Kommentar von Schlaumeyer — 24. Januar 2010 @ 19:27
[...] EZB: Gigantische Transferzahlungen verschieben EWU-Zerreißprobe nur (magazin.am-finanzplatz.de) Warum plötzlich Portugal? (econo-matrix.blogspot.com) Griechen wollen den Euro nie mehr hergeben (focus.de) Österreich: Krise der Gewerbeimmobilien spitzt sich zu (handelsblatt.com) [...]
Pingback von Ist der europäische Traum ausgeträumt? | — 26. Januar 2010 @ 05:24
Europa? In der heutigen Globalisierung unumgänglich.
Was hilft uns ein deutsches Gesetz wenn ringsum es anders genutzt werden kann?
Nur die Randbedingungen müssen angepasst werden. Wir können nicht jedes Land in Europa gleich stellen. Dazu sind wir alle viel zu unterschiedlich.
Die EUR Währung hätte erst in 20 Jahren nach Einführung kommen dürfen, damit sich jedes Land auch darauf vorbereiten kann.
Heute ist um hier eine gewisse wirtschaftliche Ruhe rein zu bekommen nur eine zwischen Lösung möglich. Die muß jedem Land wieder die Eigenständigkeit zurück geben. Dafür ist es notwendig, das es zwar den EUR gibt, aber es gibt einen Deutschen EUR, einen Spanischen EUR, einen Griechischen EUR usw. Anders ist die Wirtschaftliche Situation nicht zu schaffen.
Kommentar von Ralf Detlev O. — 28. März 2010 @ 19:04