Das System sei krank – die Finanzkrise nur ein Teil einer Systemkrise
Edgar Most, obwohl seit fünf Jahren Rentner, sei ein sehr beschäftigter Mann. Er habe an der Spitze der DDR-Staatsbank gestanden, mit Helmut Kohl über die Währungsunion verhandelt und nach der Wende Karriere bei der Deutschen Bank gemacht. Seitdem die Finanzkrise den Kapitalismus auf die Probe gestellt habe, trete er jede Woche irgendwo auf, berichtete DER TAGESSPIEGEL in seiner Online-Ausgabe am 08.11.2009:
1972 sei Most zur Staatsbank der DDR gegangen und habe bald im höchsten Führungsgremium gesessen. Unter Ministerpräsident Hans Modrow sei er zu ihrem Vizepräsidenten ernannt worden und habe gemeinsam mit Kollegen die Deutsche Kreditbank AG als erste Privatbank der DDR gegründet, die Joint-Ventures mit der Deutschen Bank und der Dresdner Bank eingegangen sei. Später habe er in die Geschäftsführung der Deutschen Bank Berlin gewechselt. Er habe mehr als 600 Firmengründungen finanziert. Als er 2004 aus der Bank ausgeschieden sei, habe es geheißen, dass jeder dritte Arbeitsplatz im Osten auf Edgar Most zurückgehe.
Most erzähle, dass er habe schon vor 20 Jahren gewusst habe, dass diese Krise kommen würde. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hätten die Staaten die Kontrolle über die Finanzwirtschaft aufgegeben. Die Gewinnerwartung sei ohne jedes Maß gestiegen. Inzwischen verdiene seine Branche mehr Geld mit obskuren Finanzprodukten, als die realen Betriebe erwirtschaften. Most fordere, das Verhältnis zwischen Markt und Staat neu zu definieren.
LeonardAlba auf YouTube, 05.06.2009
Die Entwicklungen, die hier entstanden seien, seien so schlimm, da müsse man “doch eine Revolution machen”, rufe Most. Most vertrete solche Thesen auch bei der Deutschen Bank, wo er noch immer ein Büro habe. Dafür, dass die Deutsche Bank 25 Prozent Rendite bringen müsse, könne der Vorstandschef ja nichts – das machten alle. Das sei das System – und das sei krank. Im System Most heiße der Feind nicht Deutsche Bank, sondern FDP. Von den anderen Parteien halte er auch nicht viel.
Ignoranz sei es, was Most frustriere. Darum reise er noch immer unermüdlich mit seinen Thesen durch das Land. Er schreibe Briefe an Angela Merkel, aber er glaube nicht, dass sich etwas ändere. Wir hätten nicht nur eine Finanzkrise, wir hätten eine “Systemkrise”, so Most.
Vor allem gefielen ihm die Politiker nicht, die immer Rücksicht nehmen müssten auf alle möglichen Interessen, nur nicht auf die Vernunft. Er sage, dass er sich heute in vielen Punkten wieder an die DDR erinnert fühle.
Quelle: DER TAGESSPIEGEL, 08.11.2009
Originalartikel unter: 20 Jahre Mauerfall / Der Ruf nach Revolution



Offener Brief an Edgar Most!
Sehr geehrter Herr Most,
es ist schon ein wenig komisch, wenn man in seinem eigenen Magazin, etwas über einen alten Weggefährten ließt …
Ich erinnere mich noch gut an unsere Treffen in Berlin-Marzahn. Meistens war Ihre Personalchefin, ich glaube Frau Lehmann hieß sie, mit dabei. Eine unglaublich kompetente Frau, mit einer mütterlichen Ausstrahlung und mehreren Kindern. Schon damals dachte ich immer: So einen mütterlichen Typ weiblichen Top-Manager, könnte unsere (West-) Gesellschaft nie hervorbringen.
Damals schickten Sie mich, im Rahmen der “Treuhand-Aktion” quer durch die ganze ehemalige DDR. Durch die Zusammenarbeit mit Ihnen, hatte ich die Möglichkeit die ehemalige “SBZ” und seine Menschen besser kennen zu lernen und noch heute darf ich feststellen, dass dies eine der aufschlussreichsten und spannendsten Phasen meines beruflichen Wirkens waren.
Bei allen Aufträgen (Leuna-Werke, Inter-Hotels etc.) die ich von Ihnen und Ihrer Personal-Chefin erhalten habe, hörte man immer auch einen sozialen Auftrag für die Menschen raus.
Insofern wundert es mich auch wenig, dass wir beide, bei der sogenannten Finanzkrise,zu dem gleichen Ergebnis kommen: Das vorliegen einer System-Krise!
Gerne würde ich mit Ihnen wieder in den direkten Dialog treten und möchte Sie an dieser Stelle nur darauf aufmerksam machen, dass es Alternativen zu den etablierten Parteien gibt: Unter anderem die von mir ins Leben gerufene Initiative mein Deutschland (IMD – www. initiative-mein-deutschland.de)
Vor allem über Ihre Mitwirkung im BürgerClub Deutschland e.V., dem bürgerlichen Gewissen des Landes, deren Vorsitzender zu sein, ich die Ehre habe, würde ich mich sehr freuen. Hier bereiten wir uns unter anderem auf das vor, was nach der Krise erforderlich sein wird.
Auf jeden Fall möchte ich Sie weiter ermutigen, Ihre Botschaften mahnend ins Land zu rufen. Wo Sie meine Unterstützung, durch das Magazin am Finanzplatz, oder dem BürgerClub Deutschland e.V. benötigen, da sollen Sie diese uneingeschränkt erhalten.
Ihr
Wolfgang Rogalski
ehemaliger Direktionsbevollmächtigter der Lebensversicherungs-AG der Deutschen Bank
Kommentar von Wolfgang Rogalski — 9. November 2009 @ 11:55
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Pingback von Disharmonie der gesellschaftlichen Belohnungssysteme schafft Konflikte - Magazin.am-finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 20. November 2009 @ 09:50
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