3. August 2011

Einwanderer zu sein ist keine Krankheit: Abkehr vom diskriminierenden Migrationshintergrund

Ein Plädoyer für eine nüchterne Begrifflichkeit von Wolfgang Rogalski, Verlagsleiter MedienHaus.Am-Finanzplatz.de

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 30.07.2011] In wirren Zeiten wie den unseren, in denen abermals aus machtpolitischen Interessen Völker und Religionen instrumentalisiert und mehr oder minder subtil gegeneinander aufgehetzt werden, kann ein Blick in die Geschichte zuweilen sehr erfrischend und lehrreich sein – schlagen wir also mal bei den guten alten Preußen nach:
„Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie bekennen, ehrliche Leute sind, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.“, so Friedrich der Große im Jahr 1740. Denken wir an die damaligen Einwanderungswellen – z.B. der Salzburger, Hugenotten, Böhmen – , so sollte man sich über den späteren Erfolg der Integration nicht täuschte, denn diese dürfte sich ebenfalls über lange Zeiträume erstreckt und zwischenzeitlich den Neubürgern und den Einheimischen im Alltag so manche Herausforderung beschert haben; mit all dem, was menschliches Dasein eben ausmacht.
Heute nun wird im „Gutmenschen-Deutsch“ von Personen „mit Migrationshintergrund“ bzw. von „Migranten“ gesprochen – ganz so, als sei die Herkunft eine Krankheit oder Behinderung… Interessanterweise wird wohl kaum je ein Einwanderer etwa aus Österreich, Polen, Frankreich oder Polen als „Migrant“ bezeichnet werden. Der „Migrationshintergrund“ ist im Sprachgebrauch offensichtlich für Menschen türkischer, kurdischer, arabischer und schwarz-afrikanischer Herkunft reserviert – und somit in übler Weise diskriminierend, zumal der Begriff von der Wortbedeutung her (das lateinische Verb „migrare“ steht für auswandern, wandern, reisen) eine unstete Konnotation hat.

Foto: ddp Berlin

Foto: ddp Berlin

Wolfgang Rogalski: Gast oder gar Bürger eines Staates zu sein impliziert das Anerkennen der jeweiligen Grundordnung.

Es ist an der Zeit, extremistischen Anschauungen jeglicher Art eine Abfuhr zu erteilen und sich einer nüchternen, klaren Sprache zu bedienen! Menschen ausländischer Herkunft sind entweder Gäste (z.B. Besucher, Touristen oder Teilnehmer an Austauschprogrammen) mit temporärem Aufenthalt oder eben Einwanderer mit dauerhaftem Aufenthalt.
Jede dieser Klassifizierungen impliziert natürlich gewisse Rechte und Pflichten – so wie es Friedrich der Große sinngemäß sagte. Es ist höchste Zeit, dass die Mitwirkung der damaligen „Gastarbeiter“ in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am sogenannten deutschen „Wirtschaftswunder“ endlich aufrichtig gewürdigt wird – ebenso wie heute das gesellschaftliche Engagement und die Teilhabe an der Wertschöpfung durch Einwanderer bzw. deren Nachfahren. Vorbilder im wertschöpfenden Bereich sind indes für alle Deutschen wichtig, um generationsübergreifenden „Karrieren“ im Leistungstransfer zu begegnen. Gäste und Einwanderer unterliegen wie auch das Staatsvolk selbst einer einzigen Rechtsordnung – da gibt es es weder eine verschärfte noch eine abgemilderte Wirksamkeit, keinen Malus und eben auch keinen Bonus! Kein kultureller oder religiöser Hintergrund erklärt pauschal Fehlverhalten einzelner Menschen oder entschuldigt es. Kriminelle Handlungen, egal von wem und an wem begangen, sind ohne Ansehen der Herkunft und des weltanschaulichen Bekenntnisses zu verfolgen und zu ahnden. Der Aufenthalt als Gast oder gar Bürger eines Staates impliziert das Anerkennen der jeweiligen Grundordnung und auch die Achtung des vorhandenen Kulturerbes – das ja im Berliner Fall maßgeblich auch durch Einwanderer geprägt wurde.
Es ist an der Zeit, Einwanderer mit deutscher Staatsangehörigkeit als „Deutsche ohne Wenn und Aber“ anzuerkennen – und von diesen dann, wie von allen Bürgern, gesellschaftliches Engagement, Achtung der freiheitlich-rechtlichen Grundordnung sowie des Kulturerbes ihrer (neuen) Heimat und deren konstruktive Fortentwicklung zu fordern!
Wolfgang Rogalski ist Spitzenkandidat der ddp für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September 2011.

Weitere Informationen zum Thema:

Bochumer Zeitung, 02.08.2011
Abkehr vom diskriminierenden „Migrationshintergrund“

Print Friendly

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

*



 

Powered by WordPress