4. September 2011

Diskussion über Berliner Flughäfen: Single-Airport BER ist ein teurer Irrweg

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Fluglärmbelastung sollte verteilt werden – mindestens zwei Flughäfen für die Deutsche Hauptstadt erforderlich

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 04.09.2011] Es mag an der spätsommerlichen Wochenendstimmung und dem inspirierenden Ambiente der Dachetage des „RADIALSYSTEM V“ gelegen haben, dass sich gar kein „Wutbürgertum“ Bahn zu brechen drohte – und so verlief der von Gastgeber Wolfgang Rogalski zum 3. September 2011 im Rahmen des Projektes „Berlin Agora“ anberaumte Diskussionsabend mit dem Titel „Erhalt des Flughafens Tegel – Innovative Konzepte für eine europäische Metropole“ überraschend konstruktiv und kooperativ:
Rogalski, u.a. Vorsitzender des BürgerClub Deutschland e.V., gelang es immer wieder, zwischen den verschiedenen Vertretern von Interessengruppen das verbindende Element zum Nutzen der Stadt Berlin zu suchen – und zu finden. Fern von ideologischer Verblendung und Weltfremdheit gelang es, nüchternen Abwägungen wie auch Visionen Raum zu geben.

Schnell war man sich einig, dass eine Single-Airport-Lösung für Berlin unsinnig ist, wenn auch aus den unterschiedlichsten Beweggründen. In diesem Zusammenhang wurde nochmals deutlich, dass sich die Zukunft des Flughafens Tegel nicht losgelöst von einem ganzheitlichen Ansatz zur Fernverkehrspolitik erörtern lässt. So wurde auch gleich lebhaft über die Berliner Flughäfen insgesamt diskutiert.

Foto: Dirk Pinnow

Foto: Dirk Pinnow

Wolfgang Rogalski: Gastgeber des Themenabends „Erhalt des Flughafens Tegel“

Keiner der aktiven Diskussionsteilnehmer wollte so recht glauben, dass im Sommer 2012 wirklich wie vorgesehen der neue Flughafen „Berlin Brandenburg Willy Brandt“ (BER) eröffnet werden kann. Gewichtige Teilinformationen wurden zusammengetragen, die in der Tat erhebliche Zweifel an einer termingerechten, vollumfänglichen und störungsfreien Inbetriebnahme weckten. Es wurde mehrfach die Erwartung geäußert, dass dem staunenden Berliner Publikum nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2011 in diesem Zusammenhang so manche Überraschung präsentiert werden könnte.

Foto: Dirk Pinnow

Foto: Dirk Pinnow

Werner Gerhardt: „BBI“ (BER) nur eine Übergangslösung!

Werner Gerhardt, Pressesprecher und zweiter Vorsitzender des Info-Büro Fluglärm e.V., führte z.B. aus, dass der neue Schönefelder Flughafen, der übrigens laut Planungsrecht gar kein Großflughafen, sondern nur eine mittelgroße Betriebsstätte sein dürfe, allenfalls als eine Übergangslösung für die kommenden anderthalb bis zwei Jahrzehnte anzusehen sei. Wer wirklich einen Großflughafen mit 24-Stunden-Betrieb haben wolle, müsse zwangsläufig auf den Standort Sperenberg zurückkommen. Für den neuen Schönefelder Flughafen gebe es indes schon vor seiner Inbetriebnahme ein Nachnutzungskonzept.

Nach kurzweiligen zwei Stunden fasste Gastgeber Wolfgang Rogalski das Ergebnis der Diskussion zusammen:

  1. Berlin braucht langfristig mindestens zwei funktionierende Flughäfen; dies würden „Berlin Brandenburg Willy Brandt“ (BER) und der Großflughafen in Sperenberg sein.
  2. Bis zur Inbetriebnahme des Großflughafens in Sperenberg in vielleicht zwei Jahrzehnten müsste Tegel geöffnet bleiben – wenn auch nach Möglichkeit mit reduzierter Auslastung.
  3. Tempelhof sollte zumindest wieder eine Bedeutung für den Luftverkehr erhalten, indem dort ein innovativer zentraler Check-in-Standort für die anderen Flughäfen geschaffen wird – eine Anbindung per Schnellbahn sollte geprüft werden.
  4. Wenn dann Tegel in rund zwei Jahrzehnten geschlossen wird, sollte alles verhindert werden, was zu einer bloßen kostenträchtigen Brache führen würde. Innovativen wertschöpfenden Konzepten sollte unbedingt die Nachnutzung vorbehalten bleiben – so sei die Idee richtungsweisend, dort Hochschul- und Forschungseinrichtungen zu einem neuen Campus zu konzentrieren.
  5. Berlin als attraktive Metropole für Investoren und als Standort für Spezialeinrichtungen etwa auf medizinischem Gebiet darf den Privat- und Bedarfsflugverkehr nicht verdrängen, sondern muss auch dafür attraktive Angebote bereithalten.

Weitere Informationen zum Thema:

Info-Büro Fluglärm e.V.
BER Schönefeld / Falscher Standort!

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 30.08.2011
Vortrags- und Diskussionsabend in der Berlin Agora zur Zukunft des Flughafens Tegel / Im „RADIALSYSTEM V“ am 3. September 2011 um 18 Uhr

Berlin Agora, Alle Meisterbürger an Deck!
03.09. | Berlin Tegel

steini1953 auf YouTube, 11.07.2009
Planlos in die Zukunft 1

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