24. Juni 2010

Die leidige Sache mit dem Makler: Schwarze Schafe beschädigen Reputation eines Berufstandes

Fachliche Voraussetzungen bisher noch sehr unterschiedlich

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 24.06.2010] Manch ein ehemaliger Wohnungsbesitzer ist seinem Immobilienmakler bis heute dankbar, dass er ihm so ein schönes Heim verschafft hat. Andere haben weniger gute Erfahrungen gemacht:
Denn nicht selten ist ein Makler nicht derjenige, der beim Suchen und Finden eines neuen Heimes hilft, sondern der es verhindert. Und das liegt daran, dass auch Menschen mit wenig oder gar keiner Erfahrung sich „mal eben“ in dem Beruf des Maklers versuchen können.
So kann es schon einmal vorkommen, das ein Immobilienbesitzer, der sein Eigentum verkaufen oder vermieten will, einfach einen Freund oder ein Familienmitglied als Makler einschaltet. Denn wer sich auf dem Gebiet betätigen will, muss keine fachlichen Voraussetzungen mitbringen, sondern einfach nur 1.000 Euro für einen Gewerbeschein zahlen. Einzig Paragraph 34c der Gewerbeordnung kann eine Zulassung beschränken. Der besagt nämlich, dass man nicht wegen eines Eigentumdelikts vorbestraft sein oder in zerrütteten wirtschaftlichen Verhältnissen leben darf. Ein Ausschlussmerkmal, das einem Großteil der Bundesbürger die Tätigkeit erlaubt. Und das, wohlgemerkt, auf einem Markt, in dem im Spitzenjahr 2006 deutschlandweit 175 Milliarden Euro umgesetzt wurden – und dabei ist der Mietmarkt nicht inklusive.
Wer Pech hat, begegnet so einem Makler, der das Geschäftsgebiet als lukrative Nebenerwerbsquelle erkannt hat und nun versucht, die Wohnung der Freundin mit so viel Provision wie möglich an den Mann zu bringen. Maximal erlaubt sind bei Vermittlung einer Mietwohnung 2,38 Monatsmieten – es kann also durchaus ein hübsches Sümmchen auch für den Hobby-Makler abfallen. Im schlimmsten Fall können sich die Suchenden die Miete zwar eigentlich leisten, nicht aber den Makler, der zudem auch noch keinerlei Leistungen für den Betrag erbringt.
Der Leumund des Berufstandes ist deshalb nicht der beste. Und daran will Stephan Kippes, Leiter des Marktforschungsinstitutes des Immobilienverbandes Deutschland (IVD), gern etwas ändern. Der IVD ist die Berufsorganisation der Makler, die sich unter anderem für eine Professionalisierung des Berufsstandes einsetzt. Das will der Verband erreichen, indem er eine Mitgliedschaft nur dem gestattet, der einen Fachkundenachweis erbracht hat. Die Prüfung soll als Qualitätsstempel fungieren, zertifiziert jedoch nur den Minimalstandard. Kippe und seine Mitstreiter plädieren deshalb für ein langsames Herantasten an den Beruf. Eine gute Voraussetzung sei außerdem der Ausbildungsberuf Immobilienkaufmann. Wer sich noch weiter – offiziell – qualifizieren will, kann an Hochschulen den Zweig Immobilienwirtschaft wählen. In Nürtingen-Geislingen lehrt Kipper das Fach als Professor.
Und wenn einem selbst tatsächlich auch einmal ein unseriöser Vertreter der Zunft begegnen sollte, hat der IVD eine eigene Ombudsstelle eingerichtet. Die soll im Streitfall erst einmal vermitteln – und hilft außerdem bei der Suche nach einem seriösen Makler.

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