21. November 2010

DESERTEC: Europäische Energiewirtschaft steht vor dem Wandel

Filed under: Aktuelles,Politik & Gesellschaft — Schlagwörter: , , , , , — ct @ 19:00

Bau von Solaranlagen und -kraftwerken als internes Politikum der EU

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 20.11.2010] Die Europäische Union plant seit einigen Jahren ein zukunftsträchtiges Energieprojekt mit dem klingenden Namen „DESERTEC“. Den Planungen zufolge sollen in der nordafrikanischen Wüste – also in Staaten wie Libyen, Tunesien und Marokko – riesige Solaranlagen und -kraftwerke gebaut werden. Diese sollen dann durch unter dem Mittelmeer verlegte Stromleitungen saubere Energie nach Europa und natürlich vornehmlich in die Europäische Union liefern:
Das Projekt ist im Moment allerdings reine Zukunftsmusik. Geplant ist, bis zum Jahre 2050 rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Solarenergie aus der Sahara zu gewinnen. Die ersten Anlagen sollen in den nächsten Jahren gebaut werden; die erste Stromlieferung aus der afrikanischen Wüste ist für das Jahr 2020 geplant. Die gerade geänderten Fördermöglichkeiten nach dem neuen EEG werden also noch einige Jahre ihre Gültigkeit haben. Deutsche Solaranlagenbauer wie z.B. SCHOTT Solar gehen daher auch für die nächsten Jahre von einem positiven Wachstum im Bereich der Solarenergie aus.
Das seit einigen Jahren geplante DESERTEC-Projekt gilt schon heute als ein Meilenstein in Richtung ökologische Energieversorgung. Doch momentan streiten sich die Europäer wieder einmal um die Vorherrschaft bei dem Projekt. Bis vor Kurzem sollte DESERTEC eigentlich ein gesamteuropäisches Projekt werden, die ersten Partner waren schon an Bord geholt worden und die ersten Planungen bereits abgeschlossen, als sich plötzlich die Franzosen selbständig machten und von einem eigenen Projekt zur Stromgewinnung in Nordafrika sprachen.
Den Franzosen könnte es möglicherweise nicht gepasst haben, dass das DESERTEC-Projekt eine vornehmlich deutsche Idee war und der größte Teil der Planung in deutschen Händen lag. Denn viele Franzosen betrachten Nordafrika noch immer als Teil ihrer Einflusssphäre und verbitten sich jegliche Einmischung in dortige Belange. Die Franzosen haben jedenfalls kürzlich ein eigenes Solarstromprojekt mit dem Namen „Medgrid“ vorgestellt. Angeblich seien schon die ersten Kontakte geknüpft und diverse Partnerfirmen wie etwa der italienische Stromkonzern Terna, der Siemens-Konzern oder nordafrikanische Energieversorger mit an Bord. Angeblich sei die Planung eines eigenen Projekts auf Anweisung von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zustande gekommen; dieser war alles andere als erfreut, dass DESERTEC zum Großteil von einem deutschen Konsortium geleitet wird.
Wie auch immer die Streitigkeiten der Europäer ausgehen werden, die Kosten des Projekts werden so oder so enorm ausfallen. Erste Planungen gehen von einem Investitionsvolumen von mindestens 400 bis 500 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050 aus. Alleine der Bau der ersten Solaranlage wird mit geschätzten vier bis sechs Milliarden Euro alles andere als billig werden.

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2 Comments »

  1. 1. Das Projekt wurde unter dem Namen „Transgreen“ bereits im Mai 2010 vorgestellt.
    2. Siemens ist auch Mitglied bei Desertec.
    3. Medgrid will keine Kraftwerke, sondern „nur“ die Netze bauen.

    Kommentar by Anja Celic — 22. November 2010 @ 11:52

  2. […] 20.11.2010 DESERTEC: Europäische Energiewirtschaft steht vor dem Wandel / Bau von Solaranlagen und -kraftw… Comments […]

    Pingback by Wüstenstrom: Bundeswirtschaftsminister Brüderle setzt auf europäische Lösung für DESERTEC-Projekt - Magazin.Am-Finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 11. Februar 2011 @ 15:34

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