Erlös aus dem Verkauf soll gemeinnützigen Einrichtungen zugeführt werden
Thomas Jung habe zunächst an einen Scherz geglaubt – eine Frau hätte den Oberbürgermeister von Fürth angerufen und gefragt, ob sie ihm ein paar Goldbarren schenken dürfe. Jung, Jurist, habe vorsorglich die örtliche Sparkasse informiert – die solle zum vereinbarten Übergabetermin einen Mitarbeiter schicken, berichtete SPIEGEL ONLINE am 20.01.2010:
Tatsächlich sei dann eine Fürtherin in Begleitung ihres Sohnes ins Rathaus der mittelfränkischen Stadt spaziert, in der Hand eine schmale, schwarze Aktentasche, darin vier Kilogramm Gold. Die glänzenden Barren – fünf à 500 Gramm, sechs à 250 Gramm – habe sie auf Jungs Tisch gelegt und zu ihrer Person um Geheimhaltung gebeten.
Es sei „der richtige Zeitpunkt“, der Stadt das Gold zu spenden, so die aus Hessen zugezogenen Wahl-Fürther. Man fühle sich seit Jahren wohl in der neuen Heimat. Nun sei es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Der Goldwert sei in den vergangenen zehn Jahren um 280 Prozent gestiegen, so dass man es nun ideal dazu verwenden könne, im Rahmen sozialer Projekte Notlagen zu mildern oder es zur Förderung der Baukultur einzusetzen.
Es handle sich um eine „ganz normale Familie aus einem ganz normalen Wohngebiet“, sage der Bürgermeister, „unauffällige, bescheidene, sympathische Leute“.
Ein Kilogramm habe derzeit einen Marktwert von rund 27.000 Euro. Die Barren lagerten nun im Safe der Fürther Sparkasse und sollten im Februar 2010 zum Marktpreis verkauft werden. Dann, so hätten ihm sowohl die Spender als auch Finanzexperten geraten, sei der Zeitpunkt für einen Verkauf optimal.
Das Geld solle in gemeinnützige Einrichtungen investiert werden. Die Insolvenz von Quelle habe in Fürth 2.000 Menschen den Arbeitsplatz genommen, konstatiere Jung. Viele Familien habe es äußerst hart getroffen, denen soll das Geld zugute kommen.
Spenden von Privatleuten seien selten, doch außergewöhnliche Subventionen kämen durchaus alle paar Jahre vor. So habe 2007 ein Mann einen Scheck über mehr als 2.000 Euro vorbeigebracht. Er wolle pünktlich zu seinem 80. Geburtstag seine Schulden bei der Stadt begleichen, habe er seinen finanziellen Beitrag begründet. Die Summe sei nach seiner Berechnung sein persönlicher Anteil am Schuldenaufkommen der Stadt. Er habe den Betrag durch die Anzahl an Einwohnern geteilt und wolle mit der Stadt „im Reinen“ sein.
Quelle: SPIEGEL ONLINE, 20.01.2010
Originalartikel unter: Spendable Fürth-Einwohner / Bei Anruf Gold

