8. April 2010

Creditreform-Halbjahresbericht: Ambivalentes Konjunkturbild aus Sicht des deutschen Mittelstands

Anzeichen für Stabilisierung – aber Folgen der Krise noch immer spürbar

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 08.04.2010] Am 8. April 2010 hat Creditreform im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin die halbjährliche Analyse zur Wirtschafts- und Finanzlage der Mittelständler in Deutschland vorgestellt, für die im März 2010 mehr als 4.100 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland zur aktuellen Wirtschaftslage, zu den Geschäftserwartungen und den gegenwärtigen Finanzierungsbedingungen befragt wurden. Prof. Dr. Helmut Rödl, Mitglied des Gesamtvorstandes des Verbands der Vereine Creditreform e. V., stellte seinen Ausführungen die Einschätzung voran, dass die KMU wieder nach „vorne“ bzw. gar nach „oben“ blickten, machte aber auch deutlich, dass die Folgen der Krise noch nicht ausgestanden seien. Die Rezession stecke den Mittelständlern noch immer „in den Knochen“ – so wirkt etwa der Umfang der Kurzarbeit und der Unternehmens-Insolvenzen dem Bemühen um Stabilisierung auf breiter Front weiter entgegen. Im Prinzip ließen sich laut Prof. Rödl die Ergebnisse der aktuellen Studie in drei Punkten zusammenfassen:
Die KMU zeigten 1. Realismus hinsichtlich der Geschäftslage, 2. Optimismus im Kontext der Erwartungen und 3. Skepsis beim Thema Finanzierung. Erfreulich sei, dass der Mittelstand sich in der Krise als stabilisierende Kraft bewährt habe – so seien etwa Fachkräfte in den Unternehmen vielfach trotz widriger Bedingungen gehalten worden; habe sich also ein perspektivisches Denken über den Tag hinaus manifestiert. Gerade bei den kleineren Unternehmen bis 50 Mitarbeiter sei eine relativ geringe Fluktuation der Belegschaft zu verzeichnen.
Das aufwändige Zahlenwerk der vorliegenden Studie lässt in der Tat die eine oder andere optimistische Einschätzung zu – zumindest wird abermals die existenzielle Bedeutung und Verantwortung des Mittelstands für Deutschlands Wohlergehen deutlich. Wenn doch nur die KMU ihre Wertschöpfungspotenziale voll ausschöpfen könnten! Aber die Finanzierung – und in diesem Zusammenhang auch die Eigenkapitalquote – bleiben ein gravierendes Problem für den Mittelstand. Knapp 57 Prozent der KMU sehen eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen; die Forderung nach mehr Sicherheiten (gut 84 Prozent) und auch die höheren Zinslasten (gut 35 Prozent) bei der Kreditvergabe stellen nach Ansicht der Befragten vorrangige Probleme dar. Prof. Rödl mahnte, das Thema „Kreditklemme“ weniger als ein abgehobenes politisches Problem zu diskutieren, sondern die zentrale Bedeutung der veränderten Finanzierungsbedingungen als ureigene Geschäftsführungsaufgabe zu verstehen und anzunehmen. Im Kontext der Mittelstandsfinanzierung lobte er die Rolle der Volksbanken und Sparkassen.

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