3. November 2009

Carry Trades: Währungslotto heizt Abwärtsspirale an

Mehr als 95 Prozent des Devisenhandels dient der Spekulation

Ihr “Revier” sei die Welt, ihr Werkzeug die Maus – es seien meist junge Männer, kaum 30, sie hockten in riesigen Sälen und starren auf Bildschirme. Dollarzeichen blinkten, daneben die Symbole für Euro und Franken, für Yen und Pfund – Devisenhändler in den Bankentürmen von Frankfurt/Main, New York, London oder Tokio. Fast lautlos gingen hier rund um die Uhr gigantische Geschäfte vonstatten. Täglich wechselten im Schnitt 3,2 Billionen Dollar die Besitzer – weltweit. Eine unfassbare Summe, schrieb FOCUS MONEY ONLINE am 03.11.2009:
Sie übersteige bei Weitem den Wert dessen, was alle Deutschen in einem Jahr produzieren könnten. Nur ein Bruchteil der Währungsdeals, weniger als fünf Prozent, dienten dazu, den globalen Handel abzuwickeln, mit Autos, mit Orangen, mit Öl. Mehr als 95 Prozent der Akteure orderten Dollar oder Euro, weil sie im Ausland Aktien kaufen wollten, Anleihen, Immobilien. Und weil sie “zocken” wollten – mit Devisen.
Es sei ein Spiel, das in guten Jahren hohe Gewinne beschere und in schlechten Jahren die Welt in den Abgrund reißen könne. Das Spiel trage den Namen Carry Trade. “Carry Trader” seien internationale Investoren, Banken, Hedgefonds. In der Krise hätten sie sich die Finger verbrannt; seit März 2009 seien die Zocker zurück, stark und selbstbewusst, als sei nichts passiert.
Der Reiz für “Carry Trader” liege darin, dass die Zinsen in den Ländern auseinanderklaffen. Bis zur Eskalation der Finanzkrise im Herbst 2008 sei das Spiel stets nach dem gleichen Muster gelaufen – die Spekulanten hätten sich in Japan mit Yen-Krediten vollgesogen, fast zum Nulltarif, denn die Zinsen dort hätten “im Keller” gedümpelt. Schnurstracks sei die Order an den Helfer vor dem Bildschirm ergangen, an den Händler bei der Bank – japanische Yen verkaufen, im Tausch zum Beispiel für isländische Kronen, denn im hohen Norden hätten Spitzenzinsen von bis zu 18 Prozent gelockt. Doch das “Paradies” habe nicht ewig “gewährt”; das bittere Ende sei “unvermeidlich” gewesen, so Asgeir Jonsson, der ehemalige Chefvolkswirt der isländischen Kaupthing Bank.
Neben Island habe es viele Schwellenländer getroffen; sie hätten ebenfalls im Boom von einer starken heimischen Währung profitiert und von hohen Renditen – einst “Magneten” für Geld aus dem Ausland. Die “Carry Trader” hätten auch hier eine Abwärtsspirale angeheizt.

Quelle: FOCUS MONEY ONLINE, 03.11.2009
Originalartikel unter: Währung / Schreckenswetten auf den Dollar

Weitere Informationen zum Thema:

FOCUS MONEY ONLINE, 30.10.2009
Dollar / Das Leid einer Währung

2 Kommentare »

  1. [...] 03.11.2009 Carry Trades: Währungslotto heizt Abwärtsspirale an / Mehr als 95 Prozent des Devisenhande… Kommentare [...]

    Pingback von G20 ignoriert krisenfördernde globale Ungleichgewichte - Magazin.am-finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 11. November 2009 @ 23:56

  2. [...] 03.11.2009 Carry Trades: Währungslotto heizt Abwärtsspirale an / Mehr als 95 Prozent des Devisenhande… Kommentare [...]

    Pingback von Banken und Spekulanten erzeugen größte Finanzblase aller Zeiten - Magazin.am-finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 14. November 2009 @ 22:11

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