8. Februar 2010

Börsen spekulieren auf Horrorszenarien: Drohende Staatsbankrotte in der Euro-Zone

Griechenland, Portugal und Spanien gefährden Reputation des Euros auf den Märkten

Die Kunden stürmten die Banken und plünderten ihre Konten. In den Geschäften komme es zu Hamsterkäufen. Die Ladenregale blieben leer, der Einzelhandel habe kein Geld mehr. Auf den Straßen versammele sich das Volk und demonstriere gegen die Regierung. Die Proteste schlügen in Gewalt um, die Regierung werde gestürzt, es herrsche Anarchie. Der Schwarzmarkt verdränge die Marktwirtschaft – und das alles, weil der Staat bankrott sei… Dies sei ein Horrorszenario. Aber an den Börsen werde schon ganz offen mit dem Horror spekuliert, berichtete das Hamburger Abendblatt in seiner Online-Ausgabe am 08.02.2010:
Es gehe nicht um eine Staatspleite in Afrika, sondern um eine ganze Reihe von Staatspleiten mitten in Europa. Die Insolvenz der US-amerikanischen Lehman-Bank wäre ein Klacks im Vergleich zu dem, was durch den Bankrott eines Eurolandes ausgelöst würde.
Die Griechen ständen kurz davor. Das Land, eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen, habe mit seinen elf Millionen Einwohnern eine Wirtschaftskraft, die gerade mal so groß ist wie die von Niedersachsen und Bremen zusammen (8,5 Millionen Einwohner). Und dennoch gefährde dieses kleine Land den Euro, weil es so gut wie pleite sei. Gingen mehrere Euroländer pleite, sei der Euro tot.
Die Börse kenne gegenüber strauchelnden Staaten keine Gnade – die Spekulanten wetteten schon seit Wochen auf sinkende Kurse der griechischen Staatsanleihen. Und auch die nächsten Kandidaten seien ausgemacht. Portugal zum Beispiel – die Neuverschuldung sei auf 9,3 Prozent des BIP und damit um mehr als das Dreifache des Erlaubten gestiegen. Auch Spanien drohe der Bankrott – das Defizit liege bei 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Bleibe die EU säumigen Zahlern gegenüber weiter milde und pumpe Milliarden in die maroden Volkswirtschaften, sei der Euro weiter in Gefahr – die Geberländer, allen voran Deutschland, müssten durch Steuererhöhungen immer mehr Geld aufbringen. Anreize zum Arbeiten und Investieren seien das nicht.

Quelle: Hamburger Abendblatt, 08.02.2010
Originalartikel unter: Griechenland bald bankrott? / Eurokrise: Wehe, wenn der erste Staat kippt

Weitere Informationen zum Thema:

Magazin.Am-Finanzplatz.de, 07.02.2010
Teufelskreis Staatsverschuldung: Nutzen einer Radikalkur fraglich /
Probleme insbesondere in Spanien, Griechenland und Portugal könnten sich sogar verstärken

1 Kommentar »

  1. Die Kritiker des Euro haben Recht behalten, weil sie zu Recht daran glauben, daß weder die Mathematik noch der Markt überlistet werden können – auch die Finanzmärkte nicht. Und Schulden sind das allerletzte und das am wenigsten verantwortungsvolle Mittel, das die Befürworter des Euro eingesetzt haben. Beide Systemfehler sind offenbar. Die Steuerzahler zahlen die Zeche. Dabei spielt es keine Rolle, wer wo regiert. Etablierte Parteien in Regierungsverantwortung werden immer eingenordet – warum und von wem auch immer.

    Kommentar von H. Kolpak — 12. Februar 2010 @ 19:46

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen



 

Powered by WordPress ( WordPress Deutschland )