19. Juni 2011

Bildung, Verantwortung und Mut für die Generation Unsicherheit 2021

Beobachtungen von GTIV-Präsidiumsmitglied Carsten J. Pinnow auf dem „10. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks“

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 19.06.2011] Der diesjährige „Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks“ am 14. und 15. Juni 2011 war bereits das zehnte Treffen innovativer Köpfe der deutschen Wirtschaft.
Die rund 200 Teilnehmer versammelten sich im Schlosspark Destedt bei Braunschweig, um sich Strategiefragen der laufenden Dekade zu widmen:
Im Fokus der von der Wolfsburg AG und der Autovision GmbH als Premium-Sponsoren sowie der Stadt Braunschweig Beteiligungen GmbH und der Volkswagen AG als Co-Sponsoren unterstützten kreativen Konferenz stand ein Zukunftsszenario für 2021.
Der Initiator der Begegnung, der Trendforscher Sven Gábor Jánszky, zugleich Geschäftsführer der 2b AHEAD ThinkTank GmbH, begrüßte die Mitstreiter in einem für Konferenzen eher ungewöhnlichen Ambiente. Das Arrangement des Veranstaltungsortes hob sich angenehm und bewusst kommunikativ von der sonst für Versammlungen üblichen Sitzplatzanordnung ab – unter einem Zeltdach wurden Sitzgelegenheiten gezielt so angeordnet, dass interessante Gespräche in alle Richtungen möglich wurden und die Moderation wie auch die Diskussionsteilnahme von unterschiedlichen Plätzen aus erfolgen konnte.

Foto: Carsten Pinnow

Foto: Carsten Pinnow

Bewusst kommunikatives Arrangement des Veranstaltungsortes

In seiner Eröffnungsansprache betonte Jánszky sodann den Anspruch und die Grundsätze der Veranstaltung – gemeinsam sollte ein Zukunftsszenario 2021 entwickelt werden, ohne die Teilnehmer einer „Einbahnstraßen-Beschallung“ auszusetzen. Vielmehr sollte und durfte
beim „innovativsten Think Tank der Branche“ gestritten und versöhnt, visioniert und provoziert, gelacht und konzipiert werden. Der Reiz der Veranstaltung liege in der Kombination von außergewöhnlichen Themen und außergewöhnlichen Menschen, so Jánszky – in dieser Form sei diese nur beim „Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks“ zu finden.
Einer der zahlreichen Schwerpunkte der vielseitigen und vielschichtigen Begegnung lag auf der Produktentwicklung für die „Ökonomie der Unsicherheit“. Hierzu erläuterten Tim Wittenbecher, CEO von Bally Wulff, wie auch Ned Wiley, Managing Director, Axel Springer Digital TV Guide, ihre jeweiligen Strategien. Unternehmen seien heute gut beraten, für „Adaptivität ihrer Produkte“ zu sorgen, um auf sich ändernde Trends und ein sich stark verändertes Marktumfeld erfolgreich reagieren zu können – und es sei wünschenswert, auch immer einen „Plan B“ für den Notfall in der Tasche zu haben.
Die Ambivalenz der Mensch-Maschine-Beziehung zog sich wie ein Roter Faden durch die beiden Tage. Obwohl einige Teilnehmer gar von einer fragwürdigen Verselbständigung der Technik ausgingen und phantastische Szenarien für den Einsatz von Robotern aufzeigten, wurde letztlich deutlich, dass die Entscheidungsfindung des Menschen sehr wohl unterstützt, ihm aber keinesfalls das Treffen von Entscheidungen abgenommen werden sollte. Gut geeignet seien digitale Helfer sehr wohl, um die Flut an Informationen zu ordnen, zu bewerten und Bedeutsames auszufiltern. Trotz der Weiterentwicklung von digitalen Assistenzsystemen müsse aber letztlich der Mensch die Verantwortung für Entscheidungen selbst übernehmen, Ergebnisse hinterfragen und sich der Tatsache bewusst sein, dass aus falschen Annahmen falsche Schlüsse gezogen werden könnten. Gerade in komplexen Entscheidungssituationen müsse der Mensch die Entscheidung selbst treffen; es dürften keine Abhängigkeiten entstehen, digitale Helfer sollten als Assistenten dienen und den Menschen nicht entmündigen.
Ein ambivalenter Fall war in diesem Kontext das von Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauser vorgestellte sogenannte „Geofencing“ – also je nach Sichtweise eine elektronische Fußfessel oder aber ein Assistenzsystem, das z.B. Demenzkranken ein längeres selbstbestimmtes Leben ermöglichen kann. Dabei seien Datenschutz und Privatsphäre auf der einen Seite, die
körperliche Unversehrtheit und Sicherheit auf der anderen eben zwei Aspekte, die miteinander konkurrierten. Es sei eine Entscheidung jedes Einzelnen, wem man sich z.B. als Demenzkranker mehr anvertrauen möchte – dem Pflegeheim oder der häuslichen Technik.
Am Abend des ersten Tages wurden in der „Dörnse“, dem traditionellen Altstadtrathaus Braunschweigs, nach dem einleitenden Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Gert Hofmann zwei Preise verliehen. Den „2b AHEAD Future Award“ erhielt Andreas Spieß aus Berlin, der zuvor im Rahmen des „Elevator Pitch“ den „Solarkiosk“ präsentiert hatte – ein innovatives Produkt, das neue „saubere“ Energielösungen in die ländlichen und wenig entwickelten Gebiete der Welt bringen soll. Der „Autovision Innovation Award“ ging an Tan Le, die mit ihrer Firma Emotiv Systems einen „EPOC-Headset“ entwickelt hat, mit dem sich Gedanken lesen und damit Maschinen steuern lassen.
Einen Höhepunkt des zweiten Tages bot als „Inspiratorin“ Margret Rasfeld, die Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Mit der vor vier Jahren gegründeten Einrichtung geht sie neue Wege in der Bildung. Ihr Thema „Warum Hierarchien verschwinden und neue Führungskompetenzen nötig werden“ zeigte auf, dass sich die Gesellschaft gerade im Bereich der Bildung grundsätzlich neu orientieren muss. Die Dienstleistungsgesellschaft sei jetzt und erst recht zukünftig durch verstärkte Automatisierung gravierenden Veränderungen unterworfen. Schule produziere derzeit fast ausschließlich „Pflichterfüller“ und verfolge einen innovationsfeindlichen Geist. Diese Prägung sorge dafür, dass Schulen quasi „Beziehungsverhinderungsanstalten“ seien, anstatt beziehungsstiftend zu wirken. Mit ihrer „Schule der Zukunft“ sei sie angetreten, den Kernauftrag des Schulgesetzes, Kinder zu mutigen und kritischen Menschen zu entwickeln, zu erfüllen und Gelegenheitsstrukturen für Engagement zu eröffnen. Das bundesweit beachtete Reformprogramm setzte sie gemeinsam mit einem engagierten Team um. In „Schulfächern“ wie Verantwortung, Herausforderung und Zukunft engagieren sich die Schüler zwei Jahre lang im Gemeinwesen, bestehen gar dreimal eine dreiwöchige Herausforderung außerhalb von Berlin.
Besonderheit der Evangelischen Schule Berlin Zentrum ist ein Fortbildungsmodul, in dem schon 13-jährige Schüler Vorträge halten und stark nachgefragte Fort- und Weiterbildungen für Schulleiter und Lehrer eigenständig durchführen. Sie übernehmen somit frühzeitig Verantwortung und agieren als Experten in eigener Sache. Rasfelds Visitenkarte ist die „MUTkarte“, auf der „MUT zum Träumen! MUT zur Verantwortung!“ zu lesen ist – diese erhält jeder Schüler zur Begrüßung.
Zum Abschluss der Konferenz tagte „Der Gipfel der Extremisten“. Der Chef-Entwickler von BitcoinJS, Stefan Thomas, nahm Stellung zur Internetwährung Bitcoin, deren Besonderheit die dezentrale Struktur ist und die wie kein anderes Thema in den letzten Zeit hohe Wellen in der Berichterstattung schlägt.
Ferner stand die Frage im Raum, wie eine „Welt ohne Geheimnisse“ funktionieren könnten – ihre Thesen dazu äußerten die Bloggerin Julia Schramm und Keiichi Matsuda, Designer aus London.

2bAHEADThinkTank auf YouTube, 18.06.2011
YouTube Preview Image
Extremisten-Panel Teil 1

Weitere Informationen zum Thema:

datensicherheit.de, 18.06.2011
Kompetenter Umgang mit Herausforderungen: Bildung als Schlüssel zur
Sicherheit / Herausgeber Carsten Pinnow im Interview mit Sven Gábor
Jánszky am Rande des “10. Zukunftskongresses des 2b AHEAD ThinkTanks”

2b.AHEAD THINK!TANK, 18.06.2011
„Extremisten“ im Gespräch

Print Friendly

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

*



 

Powered by WordPress