29. Oktober 2009

Auch der Kapitalismus braucht ein Ordnungsprinzip – das der Klugheit

Filed under: Aktuelles,Politik & Gesellschaft — Schlagwörter: , , , , , — dp @ 00:14

13 Thesen des Jesuitenpaters Christoph Wrembek

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 28.10.2009] Jesuitenpater Christoph Wrembek war von Stefan Lamping und Thomas Walkenmeyer vom „Steinfelder Unternehmerforums“ nach Steinfeld eingeladen worden. Am 20. Oktober 2009 hielt er dort den Vortrag „Gier – und welche Moral? Turbokapitalismus, christlich beleuchtet“:

© Christoph Wrembek

© Christoph Wrembek

Jesuitenpater Christoph Wrembek  / Screenshot von http://www.wrembek.eu/

Wrembek sprach vom „Dämon des Desasters“ – dem Persönlichkeitskult des damaligen Chairman‘ und CEO von Lehman Brothers, Richard S. Fuld, Jr., der sich in Bösartigkeit und fataler Selbstzufriedenheit zeigte und die Saat des Untergangs in sich getragen habe. Dieses Beispiel zeige die Missachtung der alten christlichen Tugend des Maßhaltens, der temperantia. Es gehe nun weniger darum, ob sich das System des Kapitalismus verbessern ließe – sondern vielmehr um die Frage, ob man den Menschen verbessern könne.
Da es der Wirtschaft immanent sei, Gewinne zu machen, müssten sich ethische Normen für Wirtschaftsbetriebe daher aus sich selbst heraus beweisen, d.h. dass Unternehmen, die diesen Normen folgten, mehr Gewinne erwirtschaften müssten als jene, die sie missachteten. Dabei sei das Erzielen eines „großen Gewinns“ von der „Gier nach immer mehr“ zu unterscheiden – Gier sei eine Krankheit, aber auf der anderen Seite gebe es nichts Unsozialeres als ein Unternehmen, das keine Gewinne mache!
Auch der Kapitalismus brauche ein „Herz“ – ein Ordnungsprinzip, und zwar das der Klugheit. Sonst fresse der Kapitalismus die Kapitalisten und all jene, die von ihnen abhingen. Nicht die Marktwirtschaft per se sei zu allererst schuld an der aktuellen Krise, sondern einige von der Politik ermunterte Akteure, die deren grundlegenden Prinzipien außer Kraft gesetzt hätten. Denn die Soziale Marktwirtschaft setze auf Werte wie Freiheit, Eigeninitiative, Selbstentfaltung sowie Selbstverantwortung und soziale Verantwortung für Mitarbeiter und Marktteilnehmer; ihre Prinzipien basierten auf Ideen des Humanismus, der Aufklärung und der christlichen Überlieferung – all die genannten Faktoren würden mehr oder weniger den Menschen direkt einschließen. Der Kapitalismus sei so gut oder so schlecht, wie der Mensch diszipliniert bzw. undiszipliniert sei, der ihn benutze.
Die Erziehungswissenschaft nenne als die drei Grundbedürfnisse des Menschen „Geld – Geltung – Geschlecht“, also nach klassischer Philosophie formuliert: „Haben – Können – Sein“. Bevor ein Unternehmen krank sei, sei der Mensch, d.h. der Chef, krank in seiner Seele – an diesen drei anthropologischen Grundkonstanten!
Die vier christlichen Kardinal-Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß würden die Wirtschaftswelt im Kleinen wie im Großen fördern und stabil gestalten – ein guter Manager brauche die Qualitäten eines Mönchs!
Heute herrsche in der Wirtschaft Misstrauen vor – ohne Vertrauen aber könne weder ein Mensch noch eine Institution leben, denn Misstrauen mache unglücklich. Jesus habe uns und alle Menschen zum Vertrauen befreit!

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5 Comments »

  1. Die Worte des Jesuiten sind durchaus nachdenkenswert. Tugenden wie Masshalten dem Christentum zuzuschreiben und die Befreiung aller zum Vertrauen auf Jesus zurückzuführen, sind allerdings Eigenschaften, die weder im Alten noch im Neuen Testament definiert sind. Da flunkert Christoph Wrembek ein wenig.
    Und in den 10 Geboten heißt es: Du sollst nicht lügen…So gibt der Jesuit eine Steilvorlage auf, die durch die heilige Schrift nicht gedeckt ist.

    Kommentar by cay baron von brockdorff — 30. Oktober 2009 @ 02:17

  2. […] 29.10.2009 Auch der Kapitalismus braucht ein Ordnungsprinzip – das der Klugheit / 13 Thesen des Jesuitenpater… Kommentare […]

    Pingback by Für das 21. Jahrhundert fehlt bisher ein vernünftiges ökonomisches System - Magazin.am-finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 11. November 2009 @ 23:46

  3. […] so gut oder so schlecht, wie der Mensch diszipliniert bzw. undiszipliniert sei, der ihn benutze“, schreibt am-finanzplatz.de über eine Betrachtung des Jesuitenpaters Christoph Wrembek. Nette Worte, wie immer aus der Kirche, nutzlos wie ein Kropf, weil diese Gedanken nicht machtvoll […]

    Pingback by Diese Volkswirtschaft wird zugrunde gerichtet ( Fortsetzung ) | Deutschland Debatte Bürgerjournalismus — 20. November 2009 @ 16:01

  4. […] 29.10.2009 Auch der Kapitalismus braucht ein Ordnungsprinzip – das der Klugheit / 13 Thesen des Jesuitenpater… Kommentare […]

    Pingback by Predigten zu Silvester 2009: Deutsche sollten über Lebensstil nachdenken - Magazin.am-finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 1. Januar 2010 @ 15:40

  5. […] 29.10.2009 Auch der Kapitalismus braucht ein Ordnungsprinzip – das der Klugheit / 13 Thesen des Jesuitenpater…  Artikel drucken Kommentare […]

    Pingback by Moralisches Korrektiv: Nonnen-Orden in den USA hält Aktien an Citigroup und JPMorgan - Magazin.Am-Finanzplatz.de - Nachrichten und Gedanken über den Finanzplatz Deutschland — 6. April 2010 @ 22:14

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