8. September 2010

14 Nullen – eine afrikanische Lektion aus Simbabwe

Filed under: Aktuelles,Politik & Gesellschaft — Schlagwörter: , , , , , — lk @ 23:46

Reise-Impressionen unseres Gastautors Lutz Krause

[Magazin.Am-Finanzplatz.de, 08.9.2010] Wenn die Deutschen Ihren Sommerurlaub planen, so denkt kaum jemand an solch exotische Destinationen wie Simbabwe im südlichen Teil des afrikanischen Kontinents. Dabei offeriert das ehemalige „Südrhodesien“ neben der für diese Region obligatorischen Tiervielfalt mindestens eine weltbekannte Attraktion – die breitesten Wasserfälle der Erde, die Victoria Falls, bieten dem Betrachter ein gewaltiges Schauspiel. Womit wir beim Geld angekommen sind – ein Thema, das mich während meines dortigen Aufenthaltes im August 2010 fast ebenso interessierte, wie die grandiose Natur:
Denn um dieses Naturschauspiel aus nächster Nähe erleben zu können, zahlen ausländische Besucher 30 Dollar pro Person, Einheimische immerhin noch fünf Dollar. Und das für einen Zugang zu etwas, das die Natur vor Urzeiten ohne menschliches Zutun geschaffen hat. Auch dies wäre keine Erwähnung wert, wenn wir über Simbabwe-Dollar sprechen würden, aber an den Victoria Falls kassiert man US-Dollar – beim aktuellen Umrechnungskurs sind das stolze 23 Euro Eintrittsgeld für null Prozent menschliche Leistung! Noch mehr wurmte mich die bar kassierte „Flußbenutzungsabgabe“ von 10 US-Dollar pro Nase, als ich eine Bootstour auf dem Sambesi unternahm. Wundern tat es mich zu dem Zeitpunkt allerdings nicht mehr, hatte ich doch bereits bei der Einreise ins „Mugabe-Imperium“ 30 US-Dollar Eintrittsgeld unfreiwillig gespendet. Bitte nicht mit dem damaligen Zwangsumtausch für Bundesdeutsche und West-Berliner an der DDR-Grenze verwechseln, denn dort gab es wenigstens noch Mark der DDR zur Bezahlung spottbilliger Restaurantbesuche ausgehändigt. Hier ist tatsächlich von leistungslosem Eintrittsgeld die Rede!
Warum wird man als Tourist in Simbabwe so abkassiert? Und warum in US-Dollar und Euro? Die Antwort ist ungeheuerlich und dennoch simpel: Simbabwe ist pleite und kämpft ums nackte Überleben. Seit April 2009 ist die landeseigene Währung, der Simbabwe-Dollar, als gesetzliches Zahlungsmittel abgeschafft, da sich die seit 2005 gallopierende Inflation ab 2007 in fünfstellige Monatsraten steigerte, um sich im Januar 2008 auf 100.000 Prozent Teuerungsrate aufzuschwingen! Spätestens ab da erhielten die Arbeiter – wie die deutschen Beschäftigten 1923 – ihren Lohn täglich ausbezahlt, um überhaupt noch sofort etwas Brauchbares eintauschen zu können.
Vor dem so genannten „Land AcquisitionAct“ im Jahr 2000 galt Simbabwe als eine „Kornkammer“ Afrikas. Seither wurde den weißen Farmern über elf Millionen Hektar Land enteignet. Viele von ihnen emigrierten nach Sambia, dem ehemaligen „Nordrhodesien“, wo sie ihre landwirtschaftliche Kompetenz neu entfalten. In Simbabwe dagegen breitete sich Armut und Verfall aus, das heimische Geld wurde systematisch erodiert. Mugabes „Reserve Bank of Zimbabwe“ erzeugte – welch bittere Ironie – mit Unterstützung der deutschen Druckspezialisten von Giesecke & Devrient aus München immer größere Papierberge: War die 1.000-Dollar-Note von 2007 noch im Besitz üblicher Sicherheitsmerkmale, reichte es bei der weltrekordverdächtigen „One Hundred Trillion Dollar“-Note (entspricht 100 Billionen im deutschen Zahlensystem) – ein Nennwert von einer Eins mit 14 Nullen – aus dem Frühjahr 2008 nicht einmal mehr zu Wasserzeichen und Metallfaden. Zu schnell schwand die Kaufkraft und lehrten sich die Regale in den Supermärkten – zu schnell selbst für die Gelddrucker…
Geht man durch die Straßen von Victoria Falls, so fühlt man sich als weißer Tourist wohl behütet. Mugabes „Disneyland“ wird von massiver Polizeipräsenz befriedet, damit Devisenbringer nicht abgeschreckt werden. Doch die Befragung der ortsansässigen Bevölkerung macht unmissverständlich klar, dass die Fassade omnipräsenter Freundlichkeit durch die Angst vor Denunziation und dauerhafter Erwerbslosigkeit zusammen gehalten wird. Aktuell sollen sage und schreibe 92 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Simbabwes arbeitslos sein! Viele versuchen sich durch Handel und Wandel über Wasser zu halten – ein „Exportschlager“ sind die mit vielen Nullen gespickten, jedoch völlig wertlosen Zettel, genannt „Simbabwe-Dollar“, die man gegen US-Dollar oder Euro tauschen kann. Im Supermarkt von Victoria Falls erhält man inzwischen wieder Dinge des täglichen Bedarfs – und zwar gegen US-Dollar, Euro oder südafrikanische Rand. Allerdings sind die Preise dafür angesichts der exorbitanten Arbeitslosigkeit und der minimalen Löhne abenteuerlich.
Die wichtigste „Anlage“ zur Vermögenssicherung des kleinen (Land-)Mannes sind weder Immobilien, noch Edelmetalle wie in Europa, sondern Nutzvieh! Am liebsten akkumulieren die Familien Rinder, da sie die um Ihre Hütten und Dörfer herum kostenfrei weiden lassen können. Das Hauptproblem ist und bleibt allerdings ausreichend und sauberes Wasser, was die natürliche Begrenzung dieser Strategie darstellt. Nun kann man sich als Einwohner des reichsten EU-Landes natürlichen fragen, was das alles mit uns zu tun hat, denn ganz offensichtlich funktioniert das Öffentliche Leben in diesem bankrotten Staat trotz Hyperinflation und Mangelwirtschaft trotzdem irgendwie – warum sollen wir Deutsche uns also darüber Gedanken machen? Hier einige Antworten und Thesen dazu, die verdeutlichen dürften, dass „Simbabwe bald überall“ sein kann:

  1. Als Urlauber und kurzzeitiger Besucher eines Weltwunders in einem der ärmsten Länder der Erde bekommt man – so man aufmerksam ist und etwas sehen will – nur einen flüchtigen Eindruck über die wahren Ausmaße von Chaos und Armut vermittelt. Einheimische bestätigten meine Vermutung, dass die Versorgungssituation im Landesinnern, abseits des Touristenverkehrs, erheblich angespannter ist.
  2. Die Infra- und Sozialstruktur Simbabwes war und ist mit jener europäischer Staaten nicht annähernd zu vergleichen. Dort regiert die Hilfe zur Selbsthilfe innerhalb der Familienclans. Zumal die Erwartungshaltung der Simbabwer gegenüber der korrupten Regierung nie in einem solchen Ausmaß ausgeprägt war, wie dies bei uns im „Vollkaskostaat Deutschland“ der Normalfall ist! Genau das aber macht die Sache für uns Verwöhnte so brisant: Wer könnte schon sein Leben vereinfachen, auf gesellschaftliche Transferleistungen wie Arbeistlosengeld oder Rente verzichten und seine Familie binnen kurzer Zeit auf eine autarke Lebensweise umstellen? Unsere hochgezüchtete, moderne Gesellschaft hat uns – im Gegensatz zu den Einwohnern Simbabwes – in massive Abhängigkeiten verwoben, von denen wir uns nur schwer bis gar nicht zu lösen vermögen! Wer in Simbabwe vorher schon wenig bis nichts hatte, hatte nach dem Währungs-GAU ebenfalls wenig bis nichts; er kämpft einfach weiter ums Überleben. Und in Deutschland? Hier schlummern rund fünf Billionen Euro als Anlage- und Altersvorsorgevermögen der Mittelschicht und liegen de facto auf dem „Roulette-Tisch“ der globalen Finanzindustrie! Wer hat also mehr zu verlieren…?
  3. Die Hyperinflation des Simbabwe-Dollars mit abschließender Währungsaussetzung und massenhafter Kontenschließung war und ist sicherlich für den einzelnen Bürger eine Katastrophe, jedoch für ein weltwirtschaftlich unbedeutendes Land wie Simbabwe kein „Todesstoß“, da mit der Zulassung von US-Dollar, Euro und südafrikanischem Rand als Zahlungsmittelersatz eine nahtlose Kompensation für die Inganghaltung des Wirtschaftslebens möglich war. Aber wie würde solche Entwicklung wohl verlaufen, wenn es eine Währung wie den Euro treffen würde, der ja spätestens seit der Nacht-und-Nebel-Aktion zur „Rettung“ Griechenlands seinen Mythos als starke Einheitswährung endgültig verloren hat? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Deutschland nach einem Euro-Zerfall den Schweizer Franken oder den Russischen Rubel als Ersatzwährung einführt und alles seinen gewohnten Gang geht…
  4. Nun ist Simbabwe ein afrikanisches Entwicklungsland mit einem 86-jährigen, von der Macht besessenen Potentaten in der Präsidentenrolle. Dort herrschen doch sicher nicht solch demokratische und von Informations- und Meinungsfreiheit geprägten Verhältnisse wie bei uns in Deutschland, die im Falle einer finanztechnischen Entgleisung für eine rechtzeitige Information und Aufklärung unserer Bevölkerung sorgen würden? Angesichts der medialen Treibjagden auf Frau H. und Herrn S., die sich in Büchern und vor laufender Kamera zu deutschen Tabu-Themen substantiiert äußerten und somit lediglich die im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verankerte freie Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild auch für sich beanspruchten, scheinen ernsthafte Zweifel diesbezüglich angebracht. Vertrauen Sie also lieber Ihrem gesunden Menschenverstand statt den offiziellen „Hofberichterstattern“, die im Übrigen über die wahren Zustände in Simbabwe nie wirklich berichtet haben, und schließen Sie in Ihre Überlegungen auch das vermeintlich Unmögliche mit ein! Zum Beispiel eine Neuordnung des Geldwesens zu Lasten der ahnungslos gehaltenen Bevölkerungsmehrheit…
  5. Das Beispiel Simbabwe sollte als „Muster“ für den möglichen Verlauf einer Papierwährungszerstörung dienen. Die langfristigen Schäden für die Volkswirtschaft Simbabwes sind noch gar nicht absehbar. Die einzige Hoffnung auf Besserung für die einfachen Menschen richtet sich auf die Zeit nach dem Abtreten von Präsident Mugabe. Bis dahin heißt es für sie: durchhalten! Das tägliche Streben richtet sich auf die Beschaffung von „harter Währung“ als Tauschmittel für Lebensmittel und Kleidung, im Weiteren auf den Erwerb von Nutzvieh zur Eigenversorgung mit Milch, Eiern und Fleisch.

Da wir in Deutschland hingegen über einen erheblich höheren Versorgungs- und Wohlstandsgrad verfügen, eine inszenierte Geldentwertung zur Staaatsentschuldung jedoch in naher Zukunft als sehr wahrscheinlich angesehen werden muss, scheint die Umwandlung von Papiergeldanlagen in langlebige Güter und Werte dringend angeraten! Dabei sind gängige Edelmetalleinheiten als mobiles Tauschgut erste Wahl! Wenn Sie keine Ambitionen hegen, zum autarken Landmann zu mutieren, sollten Sie wenigstens Ihre Bevorratung mit haltbaren Lebensmitteln, Kleidung und langlebigen Gütern überprüfen und aufstocken, denn was nützt Ihnen letztlich „hartes Geld“ allein, wenn Sie dafür nichts Lebensnotwendiges getauscht bekommen?

Print Friendly

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URL

Leave a comment

*


 

Powered by WordPress